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Beer like star Garún Icelandic Stout Nr. 19

  • Typ Obergärig, Imperial Stout
  • Alkohol 11.5% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 85% von 100% basierend auf 1 Bewertung und 1 Rezension

#30083

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Bewertungsdetails
Basierend auf 1 Bewertung
85% Avatar von Felix

85% Rezension zum Garún Icelandic Stout Nr. 19

Avatar von Felix

Das Imperial Stout ist im Guss bräunlich, im Glass nahezu undurchsichtig, macht den Sprung zur wirklichen Schwärze aber nicht 100%ig. Die Schaumbildung ist sehr gut. Die Krone ist cremig und üppig. Das Bier lässt am Glasrand eine recht hohe Karbonisierung vermuten, welche stilmäßig eher unangebracht wäre, doch keine voreiligen Schlüsse.

Der röstige Geruch hält eine reiche, tiefe Schokolade bereit und wird von - es mag Einbildung und Wunschdenken sein - einer zarten Lakritze begleitet. Dieses Ausrichtung des Röstmalzes hat aber auch florale Züge, sodass hier keinesfalls eine pure Bittere vorliegt. Ein süßliches Kaffeearoma lässt sich das nennen, doch kein bitterer, schwarzer Espresso. Die 11,5%ABV geben eine angenehme Süße hinzu, ohne dass das Bier sprittig wird.
Bisher ein runder Eindruck. Doch viel lässt sich bei einem solchen Bier auch kaum falsch machen. Aber auch in Bezug auf den Stil ist dieser Sud gelungen, wie mir scheint.

Im Mund zeigt sich sogleich eine tiefe Süße, eine reiche Zuckrigkeit mit Verweis auf Karamell, ohne dass dieses wirklich selbst auftaucht. Der Geschmack mitsamt dem öligen Mundgefühl, verbleibt im Bereich von braunem Zucker (tatsächlich ist auch Zucker auf der Zutatenliste aufgezählt). Die röstige Schokoladenaromatik baut sich rasant und stark aus. Inmitten dieses dichten, zuckrigen Gemenges von ganz klassischen Schokoladen- und Kaffeenoten, die kaum der exakten Beschreibung bedürfen, baut sich nun aber tatsächlich so etwas wie eine klare Salzlakritznote heraus, sehr kratzig, sehr rau, sehr maritim. Hervorragend kommt diese bitter, floral und süß zugleich hervor. Der schmeckbare Alkohol gibt dem eine reichhaltige Grundlage und unterstützt die kernige Bitterkeit und leicht kratzige Aromatik des Salzlakritzes wunderbar. Ein wenig kann inmitten dieser Salzlakritznote, die wiederum nur inmitten von Kaffee und Schokolade schwimmt, welche wiederum nur Facetten des tiefen, alkoholischen Braunzuckers sind, eine ebenso raue Rauchnote erschmeckt werden, die sich dunkel anbahnt.

Der Körper ist sehr ölig. Das Stout hat viel Körper zu bieten, der doch recht starke, mit der Zeit sich immer weniger versteckende Alkohol gibt dem eine glitschige, flüssige Form. Die Textur des Bieres ist damit nicht wattig oder bauschig, sondern ganz glatt und konzentriert und damit insgesamt sehr feucht. Dies passt gut zu den maritimen Facetten des Sudes. Die Karbonisierung ist nicht übertrieben, eher hat man bald das Gefühl, dass ein klein wenig die Drinkability fehlt. Das Stout hat, sobald die Kohlensäure ein wenig entwichen ist, nicht mehr den Zusammenhalt, den man sich wünschen würde. Trotzdem bleibt dieses Stout natürlich noch voll im Rahmen des genießbaren. Der Körper ist schwer in Ordnung.

Der Abgang verblüfft durch das tatsächliche Aufkommen einer mächtigen Rauchigkeit, die hervorragend aus der salzigen Lakritznote ersteht. Beide sind von ähnlichem Schlag und stechen sich doch nicht aus. Aus der anfangs noch floralen Süße wird über die salzige Lakritznote eine raue, kratzige, bittere Rauchigkeit, die schon an Schlenkerla erinnert, aber wunderbar durch die Zuckersüße aufgefangen wird. Ein schönes Aroma.

Ich finde dieses Imperial Stout äußerst gelungen, das will ich vorausschicken. Die Makel, die ich entdecke, scheinen mir aber leider keine Schönheitsfehlerchen, sondern eher handwerkliche Detailfragen zu sein. Hier wurde ein bisschen hastig etwas Fettes gebraut. Ich bin versucht zu unterstellen, dass genau dies ein Paradeproblem der Craft-Beer-Brauer seit etwa 2 Jahren ist. Man will auf den Zug aufspringen, ein bisschen geht es nicht mehr nur um die Liebe zum Bier, sondern eigentlich auch schon eher um Image, man will am liebsten sofort etwas total Gewaltiges brauen - Imperial Stouts und ähnliche Stile werde ja eh schon fast von alleine trinkbar durch den ganzen süßen Alkohol; um Körper muss man sich da kaum noch kümmern - und dann haben die Meister halt keinen intrinsischen Blick mehr auf die Details des Bieres. Der Zucker könnte auch einfach ein Mittel sein, sich Arbeit abzunehmen. Mit 11,5%ABV und Zucker im Sud, was soll da noch groß schief gehen? Das ist ganz wahr. Und trotzdem werde ich natürlich niemals ein Bier verschmähen, dass tatsächlich einfach gut schmeckt. Ich will nur dazu sagen, dass es dann halt etwas weniger kunstvoll ist.
Also eine Anmerkung zu meinem Unbehagen im Körper, das einzige, das mir irgendwie aufgefallen ist:
Mir scheint gerade dieses Beobachten des Konsistenzverlustes durch Weggang der Kohlensäure ein interessantes Thema zu sein. Denn daran zeigt sich gut, dass selbst Stile wie Imperial Stouts anfällig für solcherlei Dinge sind, die bei ihnen aber viel zu selten bemängelt werden, weil sie häufig einfach nicht auffallen hinter solch fetten Körpern und Alkoholwerten. Aber ich möchte dafür plädieren, auch bei Imperial Stouts auf solche Dinge zu achten. Die Fehler, die ich bei diesem Stout entdecke, sind weniger verheerend als bei einem Pilsener und weniger ersichtlich, und doch lassen sie sich bei genauem Hinsehen erkennen. Der Stil schluckt diese Lücken ganz gut, aber gerade deshalb, so scheint es mir manchmal, sind Brauer gerade bei solch gewaltigen Stilen auch gern mal nachlässig, was die Details angeht. Der Stil macht die Arbeit praktisch von alleine.
Wirklich toll finde ich allerdings die Aromatik und deren Bewegung, die vollkommen meinen persönlichen Geschmack trifft. Dieses Beginnen in einem unbestimmt süßen Mischmasch aus Braunzuckrigkeit, die von schokoladigen und kaffeeigen Noten eingedeckt ist, gar nicht auffällig oder betonend - das finde ich sehr mitreißend und geschickt. Denn vom Einstieg bis in den letzten Abgang durchstreift dieses Stout einen Pfad von schmeichelnder Süßholzigkeit über maritimes Salzlakritz in kratzigen Rauch hinein. Eine tolle Geschmacksbewegung!
Letztlich können wir also sagen, dass das Icelandic Stout hervorragend schmeckt und sogar außerdem über tolle Höhepunkte und eigene Aromatik, ja ein eigenes Gesicht verfügt. Das finde ich toll. Noch toller finde ich aber natürlich, dass mich diese Aromatik ganz persönlich enorm anspricht. Ich liebe diese raue Salzigkeit, ich liebe Lakritzaromatik und ich finde das Topping durch den starken, fast schon bitteren Rauch im Abgang hervorragend gut. Das Roggenmalz macht hier viel aus und gibt genau den richtigen Kick aus Würze. Dieses Bier ist ein wärmendes, seeraues, herbes Stout. Es hat endlich mal genau den Grad an Härte, den ich mir bei so vielen anderen Imperial Stouts immer wünsche, weil diese doch so gern mit der Heftigkeit dieses Stils angeben, letztlich aber meist einfach nur süße Alkoholbomben liefern. Und das, obwohl hier diese schöne Braunzuckergrundlage ja sogar in bemerkenswerter Weise vorhanden ist. Mein Geschmack ist voll getroffen.
Aber große Kunst kann ich dem Stout leider trotzdem nicht bescheinigen. Dafür wurde sich hier für mein Gefühl zu sehr auf die Eigendynamik des Imperial Stout-Stiles verlassen, was man an den oben erwähnten Details erkennen kann.
So muss ich die letzten Punkte absprechen. Aber es bleibt dennoch ein hervorragendes Bier.

Bewertet am

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