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Beer like star De Molen Engels

  • Typ Bitter
  • Alkohol 4.5% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 72% von 100% basierend auf 2 Bewertungen und 1 Rezension

#6526

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 2 Bewertungen
73% Avatar von mysland
71% Avatar von Felix

71% Rezension zum De Molen Engels

Avatar von Felix

Das Engels von De Molen ist ein mild scheinendes Bitter im englischen Stil. schlanke 30 IBUs und 9Grad Plato, gebraut mit Sladek und Amarillo, trockengehopft mit Sladek.
Es ist naturtrüb und satt orangefarben, Schaum bildet sich nur gering im Teku aus.

Im Aroma zeigt es sogleich eine unheimlich weiche, regelrecht wolkigdichte Hopfenaromatik, als sei der Geruch vom Aromahopfen mit dem Charakter von Hefe versehen worden. Ganz ungewöhnlich, dennoch stimmig und feinaromatisch, es wirft das Bild von flüssiger Hefe in Brotteig auf. Das Bier riecht saftig und cremig zugleich, es hat etwas von gewässertem Gemüse (Gurken vielleicht?) ohne jegliche Vegetabilität, zugleich zeigt es fruchtige, estrige und süße Aromen. Es riecht nach Zuckerwatte und braunem Kandis, nach Eisbonbon und zugleich aber auch nach hellen, saftig-süßen Beeren (Stachelbeere?), viel Pfirsich und etwas Birne.
Ein wunderbarer Geruch, der so fein ist, dass sich die Aromen nur schwer voneinander trennen lassen, und trotzdem trägt er sehr charakteristische Züge. Hopfig-estrige Fruchtigkeit wird hier mit malzigem Karamellzucker und saftiger Hefe auf ganz zarte Art und Weise verbunden.

Der Geschmack ist wirklich enorm saftig, interessanterweise aber ohne irgendwelche spezifischen Fruchtnoten. Er schmeckt einfach rein und klar mit angehauchter Zitralität und einer Erinnerung an den süßen Pfirsich. Auch die Esternote kriegen hier nochmal eine Gastauftritt. Doch ist es derartig geschmeidig als würde überhaupt kein Aroma abgesondert werden, es vermittelt die reine Essenz von gutem, klarem Wasser, ohne dass das Ale aber dünn wird. Merklich spürbar ist die Hefe mit kräuteriger Herbe und eine (wahrscheinlich vom Sladek herrührende) erdige Note, die ganz typisch englisch schmeckt (obwohl es sich beim Sladek um einen böhmischen Aromahopfen handelt. Die englischen Erdnoten sind den herbalen Aromen der Tschechen meinem Geschmackssinn nach aber dennoch verwandt). Das Bier entwickelt sogleich Bitternoten, die aber noch nicht übertrieben werden. Ein ungewöhnlicher, leichter Einstieg, der mit dem harrenden Nichts-Tun eine erstaunlich fesselnde Wirkung erzielt. Trotzdem hätte hier durchaus noch etwas mehr gespielt werden können.

Der Körper ist für 4,5%ABV absolut ausreichend dicht gearbeitet. Die Hefe tut auch hier ihr Werk gut und gibt keineswegs das Gefühl, die Textur sei zu lückenhaft. Ganz im Gegenteil wird auch hier weiterhin die dichte des Geruches getragen. Die Rezenz ist ausreichend prickelig, könnte aber das saftige Aroma trotzdem mit noch etwas mehr Spritzigkeit anreichern. Hätte das Bier noch mehr Kohlensäure würde die Bitterkeit im Zaum gehalten werden, die mir nach hinten hin nun etwas zu kantig wird.

Der Nachtrunk ist aber dennoch nicht übertrieben bitter, lediglich die Form der Bitterkeit stört das weiche, zarte Bild des Bieres, weil sie mit den erdigen Hopfentönen zu pressend wird. Die deutliche Bittere führt dann zu einem sehr langen Abgang, der Tendenzen ins Grasige bekommt und so wieder die Frische des Anfangs aufgreift. Diese Reminiszenz an den Einstieg gibt dem Bier letztlich seine Form.

Das Engels Bitter von De Molen ist ein leckeres Bier, das unkompliziert zu trinken ist, bei Beschäftigung aber beinahe schon überfordernd wird.
Spannend an der Entwicklung des Bieres ist insbesondere, dass es zuerst im Geruch in mehrere Richtungen zugleich geht, nach und nach jedoch eine erdig-kräuterige Betonung postuliert. Im Geschmack ist bereits die Frucht weg, die estrig-frische Süße vergeht spürbar am Gaumen und was bleibt ist die grasig-würzige Hopfennote des Sladek.
Toll finde ich, dass der englische Bitterstil spürbar ist, der Amarillohopfen dem aber durch den fruchtigen Einschlag einen Kontrast entgegensetzt. Auch die Verwendung der Hefe ist ganz besonders. Diese Kombination aus Saftigkeit und Dichte war mir so noch nicht untergekommen und verdient ein weiteres Plus.
Was mir bei dem Bier ein wenig fehlt ist das Liebevolle. Manchmal habe ich bei De Molen die Sorge; sie hauen ein geniales Bier nach dem anderen raus, können sie sich überhaupt noch wirklich mit Gewissen und Enthusiasmus einem einzelnen ihrer Rezepte verschreiben? Obwohl mir das Bier gut schmeckt, wirkt es irgendwie lieblos, als sei es nur ein Lückenfüller für De Molen, die mal wieder etwas neues ohne Probleme aus dem Ärmel geschüttelt haben. Natürlich will ich mich auf so einen Kommentar jedoch keineswegs festnageln.
Das Engels Bitter ist ein schönes Bier, das Feinheit mit Komplexität verbindet und ziemlich meinen Geschmack trifft. Lediglich die Enden sind noch nicht ganz abgeschmeckt. Am Anfang könnte es mehr Zielorientiertheit zeigen, gegen Ende stimmen mir die Verhältnisse von Bitterkeit zu Textur nicht mehr ganz.
Nichtsdestotrotz ein gelungenes, stilgetreues Alltagsbier.

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