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Bier des Monats November 2013

CREW Republic Drunken Sailor

title What shall we do with the Drunken Sailor?

Austrinken, natürlich!

Crew AleWerkstatt ist jetzt Crew Republic. Viele fragen sich: Warum? Crew gehörte doch schon vor dem neuen Design zu den Marken mit dem höchsten Wiedererkennungswert in der Welt des deutschen Craft Beers.
Doch Mario Hanel und Timm Schnigula haben einen Plan, und sie teilen unsere Meinung: Wer Craft Beer populär machen will, muss in die Bars. So steht denn auch ihr Relaunch unter dem Stern, ihr Produkt noch bartauglicher zu machen. Eine bessere Unterscheidbarkeit der Sorten, farblich wie durch Eigennamen, ist eines der Ziele.

Auch geschmacklich schlägt sich dieses Konzept nieder. Mario und Timm feilen weiterhin an ihren Rezepten, um eine Balance zwischen aromatischer Intensität und einem runden Trinkerlebnis zu schaffen, die den (noch) ungeschulten Gaumen der meisten Deutschen zwar heraus-, aber nicht überfordert.

Am besten gelungen ist ihnen das unserer Meinung nach bisher bei ihrem IPA, welches runde Malznoten und fruchtig-herbe Hopfennoten schön ineinander fließen lässt. Zwar ist das Bier auf dem innovativen Craft-Beer-Markt beileibe keine Neuigkeit mehr, aber da wir ihr bestes Produkt bisher noch nicht geehrt haben, nehmen wir den Relaunch zum Anlass, der neu gegründeten Republik ihre zweite Auszeichnung zum Bier des Monats zu verleihen.

Give him a dose of salt and water?
Pah, gebt ihm lieber ne Flasche Drunken Sailor! Das macht müde Matrosen munter!

Bier des Monats Mai 2012

BrewFist Space Man India Pale Ale

title Nein, an dieser Stelle findet Ihr in diesem Monat keinen Maibock. Stattdessen stellen wir Euch ein Bier vor, das eine ganz besondere Qualifikation aufweist:

Es ist der Gewinner des diesjährigen „Braukunst Live! Festival Awards“ in München.

Achtzehn Brauer, Bierkenner und Feinschmecker verkosteten während der drei Tage des Festivals die siebzehn Teilnehmerbiere, und kürten am Ende das „Space Man IPA“ der italienischen „Brewfist“-Brauerei zum Sieger.

Nanu? Lassen wir vom Bier-Index uns jetzt reinquatschen? Seit wann vertrauen wir auf anderer Leute Urteil, wenn wir unseren Benutzern Bier empfehlen? Tun wir nicht, keine Sorge! Denn abgesehen davon, dass wir diese Verkostung selbst organisiert haben, hatten wir natürlich die Gelegenheit, das Gewinnerbier ausgiebig zu testen. Darum können wir im Brustton der Überzeugung feststellen:

Es ist einfach mal verflucht lecker!

Zudem passt es wie die Faust aufs Auge zum Gedanken des Festivals: Während die Großbrauereien weiterhin mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen, herrscht bei den Kleinbrauern Aufbruchsstimmung. Auf dem „Braukunst Live!“ fand diese Stimmung ihren Ausdruck. Wundert es da noch, dass sowohl Astronauten (space men) als auch die Sorte „India Pale Ale“ stets mit dem Aufbruch in eine spannende, neue Welt assoziiert werden? (Mehr zu IPAs findet ihr übrigens in unserem Bierpaket!)

Das „Space Man IPA“ ist ein Paradebeispiel für die kreative Bewegung, für die Belebung der europäischen Bierlandschaft. Achtung, Deutschland! Countdown bis zum Start…3…2…1…

Bier des Monats Juli 2014

Taras Boulba

Auf den Punkt gebraut

Sehen wir uns einer neuen Brauerei gegenüber und wollen einschätzen auf welchem Qualitätsniveau sie braut, dann greifen wir zu den leichten Bieren.
Nicht nur, dass sich Fehlgeschmäcker hier nicht hinter Malzmauer und Hopfenhaubitze verstecken können, es wird auch deutlich ob der Biervirtuose ein Gespür für fein abgestimmte Geschmackskompositionen hat.
Denn wer sich auf dem schmalen Grat bewegt, von dem links der Aromenchaos-Abgrund und rechts die Langeweileschlucht lauert, der muss seinen Weg mit Bedacht und Präzision wählen.

Ist der Brauer Willens und in der Lage ein subtiles Bier exakt auf seine Vorstellungen maßzuschneidern und ihm trotz geringem Alkoholhintergrund Charakter zu verleihen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihm dieses Kunststück auch mit hochprozentigen Vertretern gelingt.
Obwohl es nämlich einfacher ist ein interessantes Bier mit viel Alkohol, Hopfen und Malz zu brauen, so ist es auch bei diesen intensiven Vertretern äußerst schwer alle Komponenten auszubalancieren und damit wirkliche Geschmackskunstwerke zu kreieren.

So ähnlich sieht es auch die Brasserie de la Senne und schreibt auf ihrer Website:
„We produce strong beers, but our great specialty is beers that are light in alcohol. […] We want to show that there is not necessarily a need for alcohol to get flavour. Light beers further allow prolonging the pleasure – and therein lies the reason for the beer’s existence.“

also: „Wir wollen zeigen, dass viel Geschmack nicht unbedingt viel Alkohol braucht.“

Diese Idee und die kompromisslose Verbundenheit zu Qualität, wie wir sie auch schon in unserem Artikel zu Handwerksbier gefordert haben, lassen uns diesen Sommer zum Taras Boulba greifen: einem charaktervoll gehopften Bier, dass auch mit leichten 4,5% vol. Alkohol eine geschmackliche Heraus- aber nicht Überforderung bietet.

Bier des Monats April 2014

Widmer Brothers Barrel Aged Brrrbon ’12

title Widmer Brothers Brrrbon ’12

Fasslagerung und -ausbau liegen momentan in deutschen Landen voll im Trend. Jeder, der irgendwo seine Finger an ein leeres Holzfass kriegt, pobiert sich am Barrel Ageing. Daran ist auch nichts Verwerfliches, Craft Beer lebt von der Freude am Experimentieren.

Es gibt da allerdings unschöne Begleiterscheinungen:
Die erste ist mangelnde Erfahrung. Auch wenn es in Deutschland durchaus eine Tradition und damit ein paar echte Kapazitäten auf dem Gebiet Fassausbau gibt, so wurde diese doch in der Vergangenheit wenig gepflegt. Viel muss daher durch Versuch und Irrtum gelernt werden.
Das bringt uns zu Problem Nr. 2, den Kosten.
Fässer sind teuer. Fassausbau kostet Zeit und Lagerkapazitäten. Eine Edition fassgelagerten Bieres bedeutet, wirtschaftlich auf mehrere normale Sude zu verzichten. Gerade bei kleinen Kreativbrauern ist so eine Fasslagerung also auch eine finanzielle Belastung.
Das hat leider zur Folge, dass oftmals Experimente, die im Bereich Trial & Error eher auf der Error-Seite liegen, abgefüllt und verkauft werden.

Das Ergebnis sieht man dann in Versuchen wie unserer großen Querverkostung: Über die letzten drei Monate haben wir recht viele fassgelagerte Biere in unseren Verkostungen berücksichtigt. Das Ergebnis ist für Bierdeutschland ernüchternd:
Der Großteil der Biere, aus denen wir eigentlich unser Bier des Monats wählen wollten, enttäuschte. Unbalanciert, umgekippt, manchmal sogar ganz offensichtlich im Fass infiziert. Wirklich überzeugen konnte uns dann gerade im Vergleich der eine Amerikaner, den wir dabei hatten. Widmers Barrel Aged Brrrbon Nr. 12. Gerade hier macht sich der Vorsprung, den die US-Szene noch hat, ganz klar bemerkbar.

Darum der zwiefache Aufruf an die deutschen Fasslagerer und Craft Brewer allgemein:
1. Wenn es nur halb taugt, bringt es nicht raus! Überteuerte Biere, die ihrem Preis nicht gerecht werden, schaden der gesamten Entwicklung!
2. Hört bloß nicht auf, es zu probieren! Kompetenz in der Fassreifung muss über Jahre wachsen, und diese Zeit sollte man sich auch nehmen. Wer den Mut hat, ein nicht gelungenes Experiment auch mal als solches zu bezeichnen, erntet nicht nur Respekt sondern lernt auch aus seinen Fehlern.

An die Fans hingegen geht die Bitte: Hyped nicht alles, nur weil es von Kleinen kommt! Ihr helft euren Lieblingsbrauern nicht, wenn ihr alles unbesehen in den Himmel lobt!

Bier des Monats Januar 2014

Kampot White

title Der Bierszene Pfeffer in den Hintern streuen

Das neue Biergefühl zelebriert Vielfalt, ausgefallene Aromen und den Versuch, für jede Situation ein passendes Bier zu finden. An Experimentierfreude kaum zu überbieten sind die Braustelle Köln und die mit ihr mehr oder minder eng verbundenen Projekte, als da wären: Freigeist Bierkultur, Monarchy of Musselland, der Bierkompass und das Festival der Bierkulturen Köln.

Vom klassischen, aber unfiltrierten Kölsch über wiederbelebte Rezepte aus Zeiten vor dem Reinheitsgebot bis hin zur Apfelholzrauchgose findet man innerhalb dieses Konglomerats eigentlich jeden Bierwunsch erfüllt. Dabei ist nicht jeder Versuch ein Treffer ins Schwarze, aber das gehört nunmal zum Experimentieren dazu, und es sollen ja auch niemandem alle Geschmackskapriolen zusagen, die sich Peter Esser und Sebastian Sauer so ausdenken.

Ein fantastisches Beispiel dafür sind die unlängst erschienenen Pfefferweizenbiere, das Kampot White und sein roter Bruder. Auf der Eröffnung der Bierakademie Berlin spalteten sie die Gemüter sauber in zwei Hälften. Die einen priesen die feine Integration der Pfeffernoten, die anderen schmeckten außer deren Schärfe eigentlich nichts.

Dennoch ist dieses Bier wie gemacht, die Motivation hinter Craft Beer auszudrücken: Nicht ein Bier für alle, aber für alle ein Bier. Hier finden Unternehmergeist, Mut zur Kreativität und Leidenschaft fürs Produkt zusammen – Eigenschaften, die wir 2014 noch mehr als zuvor brauchen werden, denn wo 2013 Fahrt aufgenommen wurde, darf man für dieses Jahr mit Vollgas rechnen. Ein Jahr der großen Schritte steht an, wenn Craft Beer endgültig von einer Nischenszene in den Mainstream hinüberschwappt. Wir vom Bier-Index wünschen uns, dass Biere wie das Kampot White dabei als die Trendsetter gesehen werden, während große Brauereien sich noch in der Grätsche zwischen Massentauglichkeit und Mut zum Geschmack befinden, während sie versuchen, ein brauchbares IPA auf den Markt zu werfen.

Bier des Monats Juli 2013

Fanø Vadehavs Oyster Stout

title Bierbrauende Amerikaner scheinen sich langsam zum Exportschlager zu entwickeln. Eric Toft bei Schönramer, die Vagabunden in Berlin, oder Ryan Witter beim Fanø Bryghus. Meist bringen diese neuen Schwung in angestaubte Brauhäuser. Noch besser ist es, wenn dieser Staffelstab der Innovation auch nach der Übergabe nicht fallen gelassen wird, denn bei Fanø braut inzwischen Martin Simion aus der Alpenrepublik unverändert kreative Sude ein. Dies zeigt, dass auch der deutschsprachige Brauer nicht immer nach der Standardformel „Hell - Dunkel - Weizen“ vorgehen muss und dennoch erfolgreich sein kann. Craft Brewer aus der deutschsprachigen Bierkultur - das gefällt als Exportschlager sogar noch etwas mehr.

Dabei war der Start auf der nur per Fähre erreichbaren Ferieninsel alles andere als einfach: Dänemark ist mit seinen 5,6 Mio. Einwohnern alles andere als ein gigantischer Absatzmarkt, und so fanden sich die zahllosen Microbreweries, die im Zuge der Craft-Beer-Welle im Land eröffneten, schneller als andernorts in Konkurrenz zueinander. Fanø hat jedoch einen Vorteil: die deutschen Urlauber, welche die Bevölkerungszahl in den Sommermonaten mal eben verzehnfachen. Dank eigens konstruierter Bierpipelines kriegen diese Urlauber ihr Fanø-Bräu sogar frisch vom Hahn in ihren Ferienhäusern…wenn das mal kein Urlaubsargument ist!

Fanø Bryghus ist für leichte Biere mit viel Geschmack bekannt, konträr zum dänischen Trend hin zu starkem Bier. Ein Paradebeispiel dafür ist das Oyster Stout, welches mit gerade einmal 3,8 Vol.-% daherkommt. Es verbindet hohe Trinkbarkeit mit ansprechend intensiver Aromatik, sodass man sich diese schwarzbraune Perle auch im Sommerurlaub noch gut vorstellen kann.

Bier des Monats Januar 2013

BrauKunstKeller Laguna IPA

title Manchmal ist unser Bier des Monats weniger ein Bier des Monats, als mehr eine Brauerei des Monats. Nämlich genau dann, wenn wir euch nicht nur ein spannendes Geschmackserlebnis vorstellen wollen, sondern auch von den Menschen begeistert sind, die es kreiert haben - Menschen, welche die Bierszene voran bringen. Sei es mit einem kräftigen Schuss Innovation in ihren Bieren oder durch eine brodelnde Leidenschaft, die sie immer wieder dazu drängt, spannende Bierprojekte anzupacken, Konventionen zu durchbrechen und einfach mit Feuereifer voranzupreschen, wo andere noch zaghaft fragen: „Gibt es dafür einen Markt?“.
Denn gerade diese Pioniere, die sich mehr Gedanken darum machen wie sie Ihre persönlichen Visionen umsetzten, als wie sie sich geschmacklich möglichst gut der vermuteten Konsumentenschicht anpassen können, schaffen erst das Bedürfnis nach Mehr, nach dem Anderen, dem Besonderen, und damit automatisch ihren eigenen Markt.

In den vergangenen zwei Jahren konnten wir immer mehr dieser Brauereien kennenlernen und entstehen sehen, auch wenn wir noch nicht alle gebührend betrachten konnten.
Seit Kurzem hat sich mit dem BrauKunstKeller eine Brauerei dazu gesellt, die uns mit Geschmacksintensität, hoher Qualität und mit kompromissloser Liebe zum Bier voll überzeugt hat.
Das Laguna IPA übernimmt diesen Monat den Preis stellvertretend für die gesamte, sehr spannende Produktlinie. Möge sie sich mehren und möglichst viele Brauer inspirieren, mit gleicher Leidenschaft zu Werke zu gehen!

Bier des Monats April 2011

Braufactum Indra

title Schaute man sich noch vor kurzem die Bierbewertungsliste der Redaktion an, so musste man feststellen, dass recht weit abgeschlagen hinter einigen belgischen und niederländischen Bieren erst das Rotkehlchen die deutsche Bierfahne hoch hielt.
Auch auf der Liste der Biere des Monats ist bis heute nahezu ein Gleichgewicht zwischen Bier aus den heimischen Landen und eingereisten Vertretern zu finden.
Bedeutet das, dass der deutsche Biermarkt mit seinen über 5000 Bieren dem geneigten Bierliebhaber kaum etwas zu bieten hat?
Das können wir glücklicherweise verneinen, aber leider ist ein Großteil der deutschen Biervielfalt doch stark auf den Massenmarkt zugeschnitten und die wirklichen Perlen finden sich meist im Sortiment kleiner lokaler Brauereien.
Solche Biere sind dann mitunter schwerer zu entdecken und zu beschaffen, als ein gutes Importbier, da hier oft schon die besseren Exemplare zu uns herüberschwappen.

Zudem sind ausländische Brauer deutlich experimentierfreudiger als der Gros der deutschen Biermanufakturen. Dabei geht es uns nicht einmal um gewürzte Biere, sondern eher um das Interesse an spannenden Biersorten.
Kann man sich hierzulande schon glücklich schätzen ein Pils zu finden, das auf die ursprünglich böhmische Variante eingebraut ist und nicht auf die verbreitete Norddeutsche, oder eine Brauerei, die ein ordentliches Bockbier anbieten kann, zeigen sich uns beim Blick über die Ländergrenze hinweg, alle Nase lang Doubel, Tripel, IPAs, Redales, Brownales, Stouts und vieles mehr in unterschiedlichsten Varianten.
Nicht, dass wir Deutschen nur eine Handvoll Biersorten kennen würden, aber wir tun uns im Allgemeinen etwas schwer damit die ausgetretenen Pfade zu verlassen und uns auf die spannende Reise durch die Welt der Biervielfalt zu begeben.

Darum freut es uns um so mehr, dass in letzter Zeit ein immer stärker werdender frischer Wind durch die deutsche Bierlandschaft weht und kräftig an den Fensterläden der Brauereien rüttelt.
Das erste Resultat begegnete uns in Form des Infiniums von Weihenstephan und Samuel Adams, das ein wenig an das belgische Deus erinnert. Leider ist das Ergebnis unserer Meinung nach nicht so gut gelungen und versucht zu sehr “anders” zu sein, anstatt sich auf eine wirklich gute Umsetzung einer der vielen klassischen Biersorten zu konzentrieren.

Auftritt: Braufactum!
Neben dem Import erstklassiger Biere aus verschiedensten Ländern (das auch von Braufactum geführte italienische Isaac der Birra Baladin hat es schon zum Bier des Monats Februar geschafft), braut das neue Label der Radeberger Gruppe auch in Eigenregie und hat dabei einige Hochkaräter hervorgebracht, alles unter Beachtung des deutschen Reinheitsgebotes ganz ohne extravagante Zusätze.

Die Preise für die Biere sind leider gepfeffert, was sich unter anderem in der sichergestellten Kühlkette von Erzeuger zu Einkäufer begründet.
Es lohnt sich dennoch, die Qualität überzeugt.
So wie wir vom Bier-Index sieht Braufactum Bier als hochqualitatives Genussmittel und nicht als massentaugliches Rauschmittel.

Stellvertretend für diesen Geist und die guten Braufactum Biere haben wir uns deshalb im Monat April für das Indra, ein Weizen IPA entschieden.
Mit seinem hellen und frischen Weizencharakter und seiner enorm geschmacksintensiven und fein abgestimmten Komposition ist es genau richtig, um die ersten warmen Sonnenstrahlen zu begrüßen, die uns diese herrlich frischen Frühlingstage bringen.

Bier des Monats Dezember 2010

Hopus

title Hopus Pokus Fidibus flüsterten die Braumeister, als sie im trüben Licht des letzten Vollmondes des Jahres um die Braukessel tanzten und eine uralte vergessene Zeremonie durchführten, die die alten Biergeister in einen zauberhaften Trunk binden sollte.
Nun wir müssen zugeben, dass wir nicht wirklich Einblick in den Brauprozess der Brasserie Lefebvre haben, aber eins ist gewiss: die Belgier haben hier etwas Magisches in die Flasche gezaubert.

Das Hopus ist genau das richtige Bier für diese Jahreszeit. Denn wenn die grimmigen Stürme draußen tosen und die Landschaft mit dicken Schneeschichten bedecken, dann macht man es sich am besten drinnen so richtig gemütlich, schaut sich das Spektakel aus dem Fenster heraus an und lässt sich von einem Hopus ordentlich durchwärmen.

Natürlich würde es am besten passen, wenn man sich an einem rustikalen Pubtisch gesellig mit ein paar Freunden niederlässt. Ein knisterndes Kaminfeuer, dass in einem alten Feldsteinkamin lodert, verbreitet eine wohlige Wärme. Beim stämmige Wirt hinter dem massiven Eichenholztresen wird eine Runde Hopus bestellt. Der Mundschenk schaut nur kurz von dem alten Krug auf, den er bereits seit einige Stunden poliert und gibt der drallen Barmaid einen kurzen Wink. Diese kommt dann mit ein paar Krügen an den Tisch getänzelt, die von der festen Hopusschaumkrone geziert werden.

Aber selbst die Bierindex Redaktion muss sich damit zufrieden geben in solchen oder ähnlichen Bildern zu versinken, die ohne weiteres entstehen während man sich im IKEA Wippstuhl zurücklehnt, die Heizung etwas höher dreht und zum Hopusglas greift, das auf dem Kiefernholzfurnier des Wohnzimmertisches steht.  Dann fliegen die Gedanken, getragen von Geruch und Geschmack des Hopus und der in der Luft liegenden Weihnachtsstimmung, hinaus in eine andere magische Welt.
Dabei sollte man jedoch aufpassen, dass man dem Hopus mit seinen wärmenden 8,3% nicht zu intensiv zuspricht, sonst tragen einen die Weihnachtselfen im besten Fall schnell ins Land der Träume und im schlimmsten Fall bemerkt man am nächsten Morgen vielleicht, dass die liebreizende Fee vom vorherigen Abend doch eine knorrige Hexe ist...
Mit diesen Worten verabschieden wir uns von diesem Jahr und wünschen den Bier-Index-Benutzern eine magische Weihnachtszeit.

Bier des Monats September 2014

Onkel Herbert Rhabarber Weisse

title Echter Rhabarber statt künstlicher Waldmeister

Die Wiederbelebung der hiesigen Bierkultur ist eines der frommen Ziele der Bierbewegung. Da kann es natürlich nicht angehen, dass ein urdeutscher Bierstil in den Staaten zelebriert wird und hierzulande höchstens mit Sirup als genießbar gilt. Zum Glück tut sich etwas im Bereich Berliner Weisse - und nicht nur in Berlin:
Der Dank des genussvollen Konsumenten geht an Brauer wie Michael Schwab, Andreas Bogk, Fritz Wülfing, Sebastian Sauer, an die Braumanufaktur und die Meierei Potsdam, und jetzt eben auch Phillip Roberts – all jene Brauer, die sich bemühen, die in den letzten Jahrzehnten auf die Zahl 1 geschrumpfte „Vielfalt“ unseres Nordlandchampagners aus eigener Kraft zu reanimieren.

Onkel-Bier kommt aus Düsseldorf, sein Begründer ist ein typischer Quereinsteiger der sogenannten „2. Welle deutscher Craft Brewer“ (Entwickeln sich hier Strömungen analog zu Stilen in Kunst & Musik? Classic Craft, Modern Craft und jetzt Nu Wave Craft? Dann warte ich gespannt auf Poststructure-ale-ism und Pub Step…). Daher wurden die ersten beiden Biere in der de Proef Brouwerij in Belgien hergestellt, im Wülfingschen Kuckucksbrauverfahren (auch Auftragsbrauen genannt). Der Vorteil der Herstellung in Belgien, so Roberts, liege u.a. darin, dass einen belgische Brauer nicht anschauen wie Belzebub höchstpersönlich, wenn man ihnen anträgt, Brettanomyces-Hefe in die Brauerei einschleppen zu wollen.

So oder so, mit der leckeren Rhabarber-Weisse hat dieser nun ausklingende Sommer auf jeden Fall ein frisches, balanciert saures Fruchtbier…Gemüsebier…Frumüsebier…Ach, ist doch auch schnurzpiepegal!…gewonnen.

Bier des Monats Juni 2014

Handwerk All-Day IPA

title Bewusst trinkbar gebraut

Bewegt man sich in der Craft-Beer-Szene, stößt man an allen Ecken auf Extreme:
Bitterkeit, die so stark ist, dass der menschliche Gaumen sie nicht mehr wahrnehmen kann.
Alkoholgehalt, der sich in Likörregionen bewegt.
Fassgelagerte Spezialabfüllungen in strengstens limitierter Auflage.
Diese Extreme sind, entsprechende Qualität vorausgesetzt, herrlich. Der Gaumen wird gefordert, es gibt stets Neues zu Entdecken und die Brauerzunft schafft es, sich ständig gegenseitig zu inspirieren.

Doch nur in Extremen kann man nicht leben. Zudem kann manch unerfahrener Gaumen auch von noch so gut komponierten Braukunstwerken verschreckt werden, wenn sie sensorisch einfach überfordern.

In Deutschland scheint sich die Bierwelt gemäßigter zu entwickeln, als in den meisten der rührigen internationalen Märkte. Der Fokus liegt stärker auf spannenden aber trinkbaren Bieren, als auf möglichst abgefahrenen Experimenten. Dies ist sicher nicht zuletzt der hochwertigen Ausbildung der deutschen Biervirtuosen geschuldet. Wer technisch sauber braut, muss seine Fehler eben nicht hinter überdosierten Hopfengaben verstecken.
Daneben ist Bier eben auch des Deutschen Alltagsgetränk, das er auch ganz entspannt im Sommer auf der Wiese, im Biergarten oder neben einem lockeren Gespräch genießen möchte. Ohne Verkostungskelch und mit angestrengter Konzentration auf komplizierte Aromenspiele, die auf die Zunge einstürmen.
Aus diesem Grund sind die friedlichen, leckeren und gut trinkbaren Biere auch so wichtig, welche die Kunde über die vielfältigen Möglichkeiten von Bier subtil in die breite Masse tragen, statt den Holzhammer zu zücken und die Starken von den Schwachen zu trennen.

So ist es letztlich nicht verwunderlich, das Rui Estevez, Inhaber der Marke Brewers and Union, seine Bierideen in einer deutschen Brauerei umsetzen lässt.
Das Handwerk ist dabei explizit darauf ausgerichtet täglich unkompliziert genossen zu werden. Ein All-Day IPA eben, wie es auch das Etikett schon verrät. Diese Aufgabe erfüllt es hervorragend und hat sich damit den Titel Bier des warmen Monats Juni redlich verdient.

Bier des Monats September 2013

Sierra Nevada Torpedo Extra IPA

title Über Jahrzehnte hinweg war der deutsche Biertrinker zufrieden, den Rest der Welt zu ignorieren und von ihm ignoriert zu werden. „Wir brauen eh das beste Bier, könnt auch gern was abhaben, aber bleibt uns mit eurem belgischen Kirschgepansche und dieser amerikanischen Reismaismaische vom Leib!“ – so oder ähnlich klang der Grundtenor.

Und jetzt kommt’s ganz dicke, denn der Ami steht vor der Tür und will hier Bier brauen, und richtig gutes obendrein! Anfängliche Skepsis wandelt sich allmählich zu Begeisterung, und „Das können die doch gar nicht.“ wurde zunächst zu „Können die das?“, und Eingeweihte sind mittlerweile bei „Die können das!“ angelangt.
Stone Brewing, die Brooklyn Brewery, BrewDog (okay, das sind Schotten, aber sie brauen ziemlich amerikanisch) – namhafte Craft-Beer-Brauereien, die allesamt ein ernsthaftes Auge auf den deutschen Markt geworfen haben. Auch der Auftritt der Brewers Association auf der Berliner Biermeile ist ein Zeichen der Zeit, denn wenn selbst auf einer Massenveranstaltung plötzlich Firestone Walker, Lagunitas und Sierra Nevada ausgeschenkt werden, dann ist ein Trend in die richtige Richtung nicht mehr zu leugnen.

Um diese Entwicklung gebührend zu zelebrieren, küren wir in diesem Monat eines der absoluten IPA-Flagschiffe aus jener Craft-Brauereivereinigung zum Bier des Monats: Das Torpedo Extra IPA. Zudem steht es für eben jene Entwicklung des deutschen Marktes, denn bei Verkostungen kann es mit seiner ausgezeichneten Balance zwischen malziger Süße und knalliger Hopfigkeit regelmäßig auch IPA-unerfahrene Bierfreunde überzeugen.

Bier des Monats Juni 2011

Berliner Bürgerbräu Bernauer Schwarzbier

title Nachruf

Schon im letzten Jahr segnete eine alte Dame der Berliner Brauereilandschaft das Zeitliche. Die gute Berliner Bürgerbräu-Brauerei konnte den Druck der rücksichtslosen, kapitalistischen Welt nicht länger ertragen und ergab sich den schwarzen Händen des kommerziellen Ablebens. Ihre Kinder jedoch, so hieß es, würden unter der Obhut der neuen Oheime weiterleben, doch ach! Auch unter ihnen gibt es nun Opfer zu beklagen:

Berliner Bürgerbräu Heller Bock
Berliner Bürgerbräu Dunkler Bock
Berliner Bürgerbräu Berliner Weisse
Berliner Bürgerbräu Bernauer Schwarzbier

Nun heißt es, sie seien nicht beliebt genug gewesen. Nicht produktiv genug. Doch Jenen, die sie kannten, werden sie schmerzlich fehlen, denn ohne sie ist die Berliner Bierwelt ein ganzes Stück leerer. Besonders das „schwarze Schaf“ der Familie werden wir vermissen, denn mit dem Bernauer Schwarzbier geht auch die letzte Erinnerung an den einst blühenden Brauereistandort Bernau. Nie wieder werden wir seinen runden Körper auf der Zunge spüren, nie wieder seinen schokoladigen Abgang schmecken.

Was bleibt uns im Angesicht einer solchen Tragödie noch? Vielleicht fragt sich Mancher, wie er sie hätte verhindern können? Welche Fehler haben wir gemacht? Denn es ist leicht, auf die herzlosen Konzerne zu schimpfen, die uns letzten Endes aber immer das verkaufen, was wir bereit sind, uns reinzuschütten. Hoffen wir, dass wir hieraus lernen, denn tatsächlich liegt es in unser Aller Hände und Gaumen!

Schwört dem durchschnittlichen Konzernbier ab! Unterstützt lokale Familienbrauereien! Seid offen für andere Geschmacksrichtungen! Vielleicht kann eure Bierspezialität dann überleben. Diese hier konnten es aus Mangel an Nachfrage nicht. Nicht weil sie schlecht waren, sondern weil sie nicht bekannt genug waren. Traurig.