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Beer like star To Øl / Mikkeller Walk on Water

  • Typ Malt Liquor
  • Alkohol 14% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 88% von 100% basierend auf 1 Bewertung und 1 Rezension

#9875

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 1 Bewertung
88% Avatar von Felix

88% Rezension zum To Øl / Mikkeller Walk on Water

Avatar von Felix

Das "Walk on Water", das eine Kollaborationsarbeit von den beiden dänischen Brauereien TO ØL und Mikkeller darstellt, ist deswegen besonders, weil es sich mit seinen 14%ABV als "the lightest beer in the world" bezeichnet. Sinn der Sache ist selbstredend die paradoxe Unmöglichkeit dieser Aussage, aber auch die Tatsache, dass es sich dabei um einen Malt Liquor handelt, der einzig auf Hopfen und Alkohol setzt, ohne Süße, die ein Volumen herstellen könnte. Desweiteren würde ich für die Deutung des Namens auch einen christlichen Aspekt hinzuziehen. Das Bier besitzt ein Kreuz auf dem Flaschenhals, es ist gänzlich in weiß gehalten und auf der Rückseite des Etiketts steht der Spruch: " Yes, I am with you always, until the very end of time". "lightest" könnte demnach auch ein englischsprachiger Wortwitz sein und sich auf "light" beziehen.
Optisch ein klassisches Double IPA, orange und trüb, sehr dichte Farbe. Macht wirklich Lust es zu probieren.
Das Bier hat einen phänomenalen, sehr süß-fruchtigen Geruch nach exotischen Früchten, viel Pfirsich, Mandarine, Orange, Hopfen und einer ganzen Menge Alkohol. Es wirkt irgendwie schon aus dem Glas wärmend, erinnert etwas an Weinbrand, aber eben mit hellen, saftigen Früchten. Diese Kombination von heller Hopfenaromatik und tiefsüßem Alkohol ist mir völlig fremd und macht das Bier sehr eigen. Dem Glas entsteigt eine wirklich unvorhergesehene Tiefe, so dichter Alkohol und so viel Bitternoten, gleichzeitig eine erstaunliche Frische, es will eigentlich nicht zusammenpassen, harmoniert aber dennoch glänzend und erschafft so etwas eigenes, noch nie Dagewesenes.
Im Mund schmeckt das Bier nach süßer, reifer Mandarine und viel Hopfen, gänzlich umschmeichelt von einer zuckrigen Süße, die aber rein vom Alkohol her stammt. Dieser Alkohol bäumt sich im Mund immer weiter auf, er bildet ganz bewusst ein Teilaroma, verleiht dem Bier eine Note von sehr trockenem Weißwein, etwas prickelig und die Zunge belegend, dazu Birnenmost und sonstige Herbstfrüchte. Es ist wirklich interessant ein Bier zu bewerten, dessen Betonung ganz bewusst auf dem Alkohol liegt, der dann aber auch nicht einmal von dunklem Malz verborgen und umschmeichelt wird, sondern regelrecht provozierend mit hell-herben Hopfenaromen einhergeht. Im Grunde ein ziemlicher Kamikaze-Akt der Brauereien, der aber für meinen Geschmack gelungen ist. Das Bier stellt nur eher einen sehr schweren Hopfenwein dar.
Der Körper ist dagegen in der Tat unglaublich leicht, das Walk on Water hat nicht gelogen, es hat so viel Aroma und wirkt so tief und voll und besitzt doch einen Körper wie von einem völlig gewöhnlich-prozentigen Lager oder Ale. Auch das erinnert mich sehr an einen Wein. Hier wird es natürlich verdammt schwer mit der Bewertung. Das Bier schafft genau das, was es will, der Körper vermittelt eher ein 6,0%ABV-Bier als einen 14%ABV-Klopper. Verdammt schwere Kiste!
Der Nachtrunk ist dann geschmacklich erstaunlich wenig alkoholisch, die Schärfe kommt aber trotzdem sehr deutlich durch und wärmt von innen, es dominieren aber bittere Grasnoten und Orangenschale sowie helle Gewürze. Nach hinten hin wird es dann fruchtig-sauer und extrem trocken. Es bleibt die Erinnerung an den heftigen Alkohol, die Vermutung einer wagen Frucht und eine ganze Menge hopfiger Bitterstoffe.
Das gesamte Geschmackserlebnis ist völlig ungewöhnlich und geht bewusst total wirre Wege, Wege, die jeder andere Brauer auf der Stelle eliminiert hätte, um niemals Gefahr zu laufen, sie zu betreten. Dieses Bier wagt den Versuch über Wasser zu gehen, es kennt die Unmöglichkeit. Aber es geht tatsächlich über Wasser, wenn man metaphorisch deutet, dass es das Unmögliche möglich macht.
Ich bin einerseits völlig überwältigt, andererseits auch überfordert. Wenn es so schwierig wird eine derartige Spezialität zu bewerten, dann hilft nur noch eine Methode. Einen Schluck nehmen und sich einfach fragen: Schmeckt es mir?
Bei Maria, es schmeckt!
Das Walk on Water ist eine wahre Granate. Es ist in sich völlig gegensätzlich, richtig scharfer Alkohol verbindet sich mit enorm frisch-süßer Frucht und richtig bitterem Hopfen. Dieses Bier ist ein verdammt gewagtes Experiment. Wie kommt man auf die Idee ein extrem leichtes Bier mit 14 Umdrehungen zu brauen? Das ist wohl der Spaß an der Abstraktion, einfach etwas völlig abgedrehtes zu brauen. Aber es schmeckt, ist jedoch eine wirkliche Herausforderung und sicherlich nicht für jeden das Richtige. Besonders spannend finde ich neben der krassen Gegensätzlichkeit des gesamtes Konzeptes vor allem noch die Tatsache, dass es eher wie ein Weißwein schmeckt als wie Bier, weil die Fruchtaromatik so deutlich ist und die Leichtigkeit eines hellen Weines suggeriert wird, die starke, alkoholische Schärfe aber trotzdem transportiert wird. Doch selbst für einen Weißwein wäre das noch viel Alkohol. Außerdem ist das Spektrum wirklich bemerkenswert groß, in dem die Aromen dieses Bieres arbeiten. Es ist extrem herb, trocken, frisch und alkoholisch, dazu noch süß und sauer und etwas beerig, sowie gärig und hefig. Eine tolle Komplexität.
Ein verdammt gewagtes Experiment, was sich die Dänen hier ausgedacht haben. Aber eben deswegen innovativ und einzigartig und auf jeden Fall trinkenswert.
Irgendwie auch eine schlaue Taktik: Braue etwas, das von sich behauptet, in sich unstimmig zu sein und dir kann nie eine Fehlnote angekreidet werden. Du wolltest das ja so...
Wer Alkohol nicht mag: Finger weg!
Wer viel Bitterkeit nicht mag: Finger weg!
Wer keinen trockenen Wein mag: Finger weg!
Für alle andere sollte gelten: Unbedingt probieren! Einfach schon wegen des krassen Paradoxons von Alkohol und Leichtigkeit, so etwas habe ich noch nicht erlebt.

Bewertet am

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