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Beer like star Mikkeller Crooked Moon dIPA

  • Typ Obergärig, Double IPA
  • Alkohol 9% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 83% von 100% basierend auf 2 Bewertungen und 1 Rezension

#10227

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 2 Bewertungen
86% Avatar von Felix
81% Avatar von mysland

86% Rezension zum Mikkeller Crooked Moon dIPA

Avatar von Felix

Farblich ist das Crooked Moon Double IPA stiltypisch in einem trüben Orange gehalten, die Schaumbildung ist gut ausgeprägt und zeigt sich cremig

In der Nase ist das Bier intensiv saftig mit viel exotischer Frucht, die wie in komplexer Schichtung übereinander gelegt ist, in erster Linie Maracuja und Passionsfrucht, dahinter Blut - und Bitterorange, etwas Pfirsich, sowie ein Hauch von Limettenschale, grün-bitter und zugleich zitral gehalten. Letzteres wird mit zunehmendem Verkosten immer deutlicher und verleiht dem Bier seinen ganz eigenen Glanz inmitten des Obstkompotts, und macht es besonders einzigartig. Nach einiger Zeit kommt sogar ein Hauch von Basilikum durch, das Bier verfügt eindeutig über eine leichte Kräuterigkeit. Es ist einerseits extrem vielseitig in der Fruchtausprägung und andererseits auch erstaunlich dicht gearbeitet. Der stark erhöhte Alkoholgehalt lässt sich aromatisch nicht feststellen, einzig eine malzig-süße Basis gibt zu verstehen, dass dieses Bier "größer" ist als ein normales IPA. Es besitzt ein ungewöhnlich getreidiges Fundament, dass mit ordentlich Heu und Stroh aufwartet. So vermittelt es schon jetzt einen durch ziemliche Komplexität geprägtes Bild.

Im Mund ist das Bier dann im ersten Moment ungewöhnlich süß, es zeigt Noten von braunem Kandis und Trauben, mit ihnen geht nun doch eine deutliche Alkoholnote einher. Das Malz ist präsent, Heuaromen halten sich hintergründig, die Früchte sind allesamt ausgeprägt, aber deutlich gemildert im Vergleich zu den schwer-süßen Noten. Erstaunlich, wie "anders" dieses dIPA ist. In den Vordergrund stellt sich nach kurzer Zeit das eine Fruchtaroma, das im Geruch noch am hintergründigsten agierte; der Pfirsich mit seiner reifen Süße und der leicht schwammig-seifigen Frische. Außerdem beginnt sich schon hier der Hopfen auszubauen, dessen Aromatik in viele Richtungen auf einmal zu wandern scheint, einerseits schlank-zitral, außerdem mit seifigen Esternoten, andererseits auch süßlich herb (vom Charakter vergleichbar mit dem wunderbar feinen und vielseitigen, deutschen Saphirhopfen). Der Hopfen zeigt schon hier eine ausgereifte Bitterkeit, sehr blumig mit parfumartigen Lavendelnoten. Ein toll vollmundiger Antritt, der über große Vielseitigkeit verfügt, aber auch für ein Double IPA noch ein wenig zu alkoholisch und voll-süß ist. Auch der Übergang von Geruch in die Mundaromatik gefällt mir nicht gänzlich, hier wird die Frucht zu wenig ausgespielt, die einen im Geruch so umgehauen hat, die Malze übertünchen leider die so vielseitige Hopfigkeit. Schade, weil gerade der Einstieg so tolle Anlagen hatte!

Der Körper des Crooked Moon ist sehr dick, die Textur zeigt sich im Mund ausgeprägt ölig, tendiert sogar schon ins Glitschige, was wunderbar mit der Süße der Kandisnoten harmoniert und in Verbindung mit der Frucht ungewöhnlich und besonders ist. Das Bier strahlt eine wirkliche Tiefe aus, es ist erfahren und ausgewachsen, trotz der sehr heftigen Frucht beweist die malzige Schwere, die alkoholische Süße, sowie die aromatisch vielseitige Dichte eine gewisse Ruhe, das Bier ist kein Jungspund mehr, es schaut mit gelassener Ruhe aus dem Glas. Die Rezenz ist leicht sprudelig, übertreibt es aber in keiner Weise. Mir könnte es sogar noch etwas frischer sein, gerade weil die Aromen eine derartige Wirkung eigentlich gut vorbereiten.

Der Nachtrunk ist dann von jedwedem Malz befreit, die alkoholische Süße bleibt mit leichter Schärfe im unteren Halsbereich zurück, wärmt aber angenehm ohne zu stechen. Der Hopfen zeigt sich nun von seiner herb-fruchtigen Seite. Er hat eine leicht betäubende Wirkung, ohne den Mund zu beschlagen und völlig einzunehmen. Das finde ich hervorhebenswert schön gemacht, weil er auch die Geschmacksknospen nicht unnötig belastet. Eine sehr stimmige, punktgenaue Hopfengabe, die hier zu Anwendung kam! Nach hinten hin verbinden sich die wärmenden Alkoholnoten wunderbar rund mit den fruchtigen Hopfenaromen, sodass mir eine Assoziation zu Weinbrand entsteht. Der Nachtrunk dieses dIPAs überzeugt in erster Linie nicht mit den Dingen, die sonst bei diesem Stil überzeugend sind. Es ist nicht unzumutbar bitter, der Hopfen erschlägt einen nicht mit unvergleichlicher Frische und Herbe, die Fruchtigkeit kann sich nicht wirklich halten und der Alkohol ist auch nicht mit der Lupe zu suchen. Und trotzdem schafft es dieses Bier gerade hier am meisten zu punkten. Ich finde die Verbindung der dominanten Aromen wunderbar harmonisch gelöst. Ein toller Ausklang - gerade, wenn man es mit dem so betont vielseitigen Antrunk in umrahmendem Kontrast betrachtet -, weil das Crooked Moon so zart verschwindet, der Hopfen ist ganz fein und leicht, die Bittere nur angedeutet, die Fruchtigkeit verschwindet schon fast und der Alkohol - der ursprünglich zu deutlich war - verrichtet hier ein Werk, wirklich beruhigender Genugtuung, indem er all die feinen Noten mit wohliger Wärme ummantelt. Ein Abgang aus dem Bilderbuch, der einem nicht entgegenspringt und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) so viel Beachtung verdient.

Das Crooked Moon dIPA von Mikkeller ist so gesehen ein tolles, wirklich von Herzen zu empfehlendes Bier, das nur an der einen oder anderen Stelle etwas Feinschliff benötigt. Schade ist dabei vor allem; die Verbindung zwischen den einzelnen Trinkphasen könnte fließender gestaltet sein, die Aromatik ist jedoch von vorne bis hinten absolut gelungen (insbesondere die Komplexität überzeugt mich!). So gefällt mir der Übergang von Nase zu Mund nicht besonders gut, auch der Körper ist im Vergleich zum Geruch einen Hauch zu schwer geraten.Den Geruch selbst will ich aber nicht kritisieren. Das Ale benötigt etwas Zeit, in der man sich auf die Gesamtkonstruktion einlässt. Es ist im ersten Moment nicht gänzlich harmonisch, gegen Ende der Flasche erst wurde mir die Qualität dieses Bieres wirklich bewusst und die Harmonie schien mir doch durchaus vorhanden.
Schön ist die Art und Weise, wie dieser Stil dargestellt ist. Es handelt sich hierbei um ein sehr typisches Double IPA, das Hopfenfrische, Fruchtigkeit, Süße, Schärfe und Bitterkeit miteinander verbindet, und das alles auf Basis eines bemerkenswert kräftigen Körpers. Der Alkohol ist hierbei aber noch einen Tick zu stechend geworden (wobei nicht vergessen werden darf, dass er im Abgang sein Werk geradezu exzellent(!) verrichtet). Auch das Konstrukt, mit dem Kräftigkeit und Feinheit arbeitet ist nicht ganz einheitlich (Einsteig eher komplex-stark/Abgang eher fein-zart)
Ein schönes, sehr typisches dIPA, das mir persönlich nur an der einen oder anderen Stelle einen kleinen Makel suggeriert, insgesamt aber absolut stilgerecht und authentisch erscheint. Ein schönes Ale!

Bewertet am

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