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Beer like star Liefmans Goudenband

  • Typ Obergärig, Belgian Lambic/Brown Sour Ale
  • Alkohol 8% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagen 2 Benutzer

Bewertet mit 84% von 100% basierend auf 5 Bewertungen und 4 Rezensionen

#21396

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Aktuelle Bierbewertung

Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 5 Bewertungen
93% Avatar von Felix
89% Avatar von Hobbytester
83% Avatar von Lips
83% Avatar von Bier-Klaus
71% Avatar von goldblumpen

89% Sauer macht malzig

Avatar von Hobbytester

Einstieg: Ich rieche kräftige Rotweintöne, interessanterweise Noten eines würzigen Weichkäses mit Rot-schimmel, hinzu kommen Malz- und Karamelltöne. Die käsige Note erinnert etwas an Gosebiere. Über allem liegt zudem eine Note weißen Pfeffers. Der Antrunk verleiht dem Bier eine zupackende Säure. Im Abgang ergibt sich ein vielschichtiges Spektrum verschiedener Geschmacksnoten. Vordergründig sind Rotwein, Eichenholz, Hefe und leicht käsige Geschmacksnoten. Das Bier sorgt mit seinen Anklängen an den Rotwein geradezu für eine Verherrlichung der Säure in Reinkultur. Der Körper stellt ein unglaublich komplexes Aromenspektakel dar, das sich unter der plakativen Schicht des Geschmacks vergorener Trauben so hintergründig, aber dennoch so präsent erweist, dass man fast schon ein wenig frustriert ist, seine eigene Unfähigkeit aufgezeigt zu bekommen, den Gegenstand der Erprobung angemessen beschreiben zu können. Aber halt! Es ist nicht nur Rotwein, der die Sinne trübt, hier mischt auch die zupackende Finesse eines Champagners kräftig mit. Hefe, Ananas und Käse sowie ein nicht gerade subtiler Malzinput funktionieren wahrscheinlich bei keinem anderen Bier auf der ganzen Welt als Teile eines bestechenden Aromenspiels. Wer spricht hier noch von Hopfennoten? Sie sind schlicht nicht wahrzunehmen, werden aber auch gar nicht vermisst. Kirschrote Farbe trifft auf lang bleibenden Schaum. Das Bier ist sehr süffig. Es gibt genug Kohlensäure.

Fazit: Im Gegensatz zum Weizendoppelbock Mein Aventinus Barique fallen bei diesem Brown Sour Ale die Rotweingeschmacksnoten nicht so schwer und anstrengend aus, wahre Meisterschaft ruht in sich, das Liefmans vermittelt einen entspannten Eindruck.Trotzdem bin und bleibe ich kein Freund des Rotweins, deshalb finde ich dieses Bier auch „nur“ fast sehr gut. Der Alkohol ist hier übrigens auch viel besser als bei der Schneider Weissen eingearbeitet.

Bewertet am

83% Rezension zum Liefmans Goudenband

Avatar von Bier-Klaus

Das Liefmans kommt sehr wertig daher. Eingehüllt in Papier hat die 0,375 Liter-Flasche einen Sektkorken, der von einer Agraffe fixiert wird. Eine dunkelbraune, blickdichte Farbe mit rötlichen Reflexen trifft auf wenig hellbraunen Schaum. In der Nase ganz dezente säuerliche Aromen.

So beginnt auch der Geschmack, zart säuerlich, nur ein wenig Faßaroma. Keine künstlichen Aromen, eine gut abgestimmte Säure und wenig dunkles Malz formen ein sehr gut trinkbares Sauerbier. Das Goudenband schafft auf natürlich Weise, wozu beim St. Louis Geuze eine halbe Chemiefabrik benötigt wird.

Bisher war ich von den Liefmans Bieren nicht so begeistert, hatte aber auch noch nie ein wirklich hochwertiges Bier dieser Brauerei.
Einfach wunderbar komponiert, ich bin begeistert!

Bewertet am

83% Liefmans Goudenband

Avatar von Lips

Das Liefmans Goudenband zeigt sich dunkelbraun. Ein cremiger Schaum über dem Bier. Der Duft des Liefmans Goudenband ist komplex. Eine feine saure Note. Spritzig und moussierend wirkt das Bier im Mund. Süßliche und herbe Noten mit feinen sauren Züge zeigen sich am Anfang. Die säuerliche Note wird zu Mitte und im Abgang noch intensiver. Ein sehr komplexes Bier, das alle Sinne vom Anfang bis zum Ende beansprucht.

Bewertet am

93% Rezension zum Liefmans Goudenband

Avatar von Felix

Das Goudenband (Korken 2011) zeigt eine erstaunliche Optik, wenn man genau hinsieht: Beim Eingießen zeigt es eine tiefgoldene, bernsteinartige, aber glasklare Färbung. Es wirkt wie flüssiges Gold. Im Glas dann ist es sprudelig und tiefdunkelrot, wie ein düsterer Rotwein. Die Schaumbildung ist erstklassig. Cremig, roséfarben, schmal, aber feinporig und dicht. Wie eine Krone.

Die Aromatik ist so komplex, sie entzieht sich meinem Vokabular, denn diese Komplexität besteht nicht einfach aus einzelnen Aromen, die linear angeordnet sind. Sie zeigt sich darin, dass mit jeder Note sogleich eine eindrückliche Bildlichkeit einhergeht:

Das Bier riecht nach schwerem, trockenem Rotwein und Vanille, erdig mit weicher Frucht und Ideen von Ananas, Schattenmorellen und Nelkenpflaume zugleich. Eine feine Säure von süßem Champagner kommt hinzu und eine zarte Eichennote veredelt den Eindruck. Das Bier strahlt eine grundsätzliche Wärme aus, erscheint wie ein Cognac, in den man Karamell gegossen hätte. Dabei schwankt es stets zwischen Säure, Frucht, Holz, Trockenheit und Gewürzen.
Hervorragender Duft, der eine regelrechte Komposition, ein richtiges Kunstwerk mit bewusstem Handwerk mehr als erahnen lässt und grandios zwischen Säure und Süße, Frucht und Würze balanciert. Hier ist weniger definitiv mehr, denn das Bier springt nicht aus dem Glas, es entzieht sich sogar ein Stück weit und will gesucht werden. Bei diesem Bier lässt sich die Reifung riechen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Tropfen so einige Jahre lagern könnte, er würde sich wohl stetig verbessern.

Der Geschmack ist natürlich betont sauer, aber überhaupt nicht zu stark. Das Bier wahrt sich eine nussig-karamellige Süße und eine fruchtig-alkoholische Note wie man sie von mit Rotwein vollgesogenen Beeren kennt. Eine innige Vermengung der Aromen, die keine Trennung mehr zulässt. All die feinen Subnoten des Duftes sind hier nur noch zu erahnen, umfließen das süßsaure Lambic elegant und scheinen matt hier und da hervor, vergehen aber genauso rasch wieder. Das betrifft vor allem die gewürzigen und holzigen Noten, die dem Ganzen wirklich noch die finessereiche Krone aufsetzen.

Für stolze 8%ABV ist das Bier hinreißen leicht. Es hat die Textur eines sehr guten Champagners, lässt von seinem Alkohol nichts erahnen und wandelt mit graziler Anmut auf süßem Boden, schwebt dabei das eine oder andere Mal über den Gaumen. Dieses Ale ist eine Dame, die einem regelrecht den Kopf verdreht.

Der Abgang ist mild und stimmig. Er vereint all die Duftnoten zu einer retrospektiven Liason. Hier kommt wieder das zarte Holz hervor, ein feiner Hauch angezündeten Vanilletabaks, eine Spur süßspritzigen Sektes und die Überreste eines langen Abends mit so einigen Gläsern Rotwein. Retronasal entstehen ganz süße betörende Düfte, die ich kaum zuordnen kann. In ehemaligen Weißweinfässern gereiftes Karamell?
Hervorragend wie das Bild einer alkoholischen Nacht in einer Jazzbar heraufbeschworen wird. Die letzte Zigarette liegt noch im Aschenbecher, am Glas hängt noch ein Tropfen Rotwein, die Augen fallen langsam zu.

Dieses Bier ist ein Meisterstück der Braukunst. Es besitzt eine unheimliche Intimität, es lässt Farben und Bilder entstehen, lebt von suggestiven Assoziationen, die es aber ganz bewusst zu steuern scheint wie ein teuflischer Puppenspieler. Hier ist nichts Zufall.
Das Goudenband ist einerseits abgerundet, zum anderen lässt es einen scheinbar endlosen Spielraum zur Deutung. Es ist so gezielt und dabei nicht bestimmend, so glasklar und trotzdem unerhört frei und offen.
Ein feines Bouquet von Kirschen, Pflaumen, Gewürzen, Vanille, Holz, Tabakrauch, Champagner, Rotwein, Karamell... Es scheint nicht zu enden, weil es keinen Anfang hat.
Schon das Aussehen dieses Bieres ist geradezu komponiert und mich würde es nicht wundern, wenn die Braumeister hieran genauso herumgewerkelt hätten, wie an der Aromatik. Die Veränderung der Farbgebung und die perfekte, schmale Blume sind beeindruckend. Gelungen.
Ich merke, bei diesem Bier kommt keine sinngerechte, geordnete Verkostungsnotiz zustande, sie wäre auch erzwungen; Das Bier ist hinreißend. Es ist von intensiver Zurückhaltung, von komplexer Eleganz, es ist betörend ohne aufdringlich zu sein, denn sein Wesen besteht vor allem darin, dass es stumm verweilt und weiß, man kann ihm nicht widerstehen. Es hat es gar nicht nötig, sich in Gänze zu präsentieren, so offenbart es nur hier und da etwas von sich, mit tückischer Überlegenheit.
Seine Genialität besteht aus der Assoziation des rein Assoziativen. Es ist die grüne Fee der Bierwelt, die Erinnerung an den Rausch per se (Satie, van Gogh, Proust, Valery...). Seine Aromatik ist die reine Perzeption des Traumatischen, der aus Belgien stammende olfaktorische Surrealismus.
Dieses Bier lebt von den ekstatischen Erinnerungen des Genießers, die dieser niemals hatte. Es ist eine erotische Begegnung.

Bewertet am