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Beer like star Les 2 Frères Hickson Imperiale IPA

  • Typ Obergärig, Imperial IPA
  • Alkohol 7.6% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagen 3 Benutzer

Bewertet mit 95% von 100% basierend auf 3 Bewertungen und 3 Rezensionen

#27952

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Aktuelle Bierbewertung

Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 3 Bewertungen
100% Avatar von Hobbytester
94% Avatar von Felix
90% Avatar von Bier-Klaus

100% Interpretiere das IPA, wie Du willst!

Avatar von Hobbytester

Dieses IPA ist mir noch vom letzten Quebec-Aufenthalt in bester Erinnerung. Allein der Geruch nach dem Öffnen der Flasche bietet bewundernswerte Komplexität. Auch zwei Monate nach dem Erwerb dieser Flasche duftet es frisch nach Hopfen und Malz. Hier treffen kräftige Karamellnoten auf Hopfenkraft, ausgehend von Cascade, Calypso und Mosaic, schon der Antrunk verdeutlicht die Absicht, ein irres Gleichgewicht zwischen kompromissloser Malzigkeit und kompromissloser Hopfenpower herzustellen. Die kräftige Bitterkeit von 74 IBU macht sich in anfänglicher Herbe bekannt.
Der Abgang setzt Bitterkeit und Säure perfekt ein! Grasig kräuterbetont pocht dieses Bier mit viel Tamtam auf seine spezielle Daseinsberechtigung, ein solch forderndes und gleichzeitig unangreifbar harmonisches IPA habe ich selten getrunken. Man will mit der Ausbalancierung beider Geschmacksnuancen punkten und hält sich nicht damit auf, mit Tropenfruchtaromen auf sich aufmerksam zu machen, das ist kalter IPA-Kaffee, der hier nicht zum hundertsten Mal aufgebrüht wird.
Den Körper nur als gut komponiert zu bezeichnen, würde diesem fantastischen Gebräu kaum gerecht. Hier fügen sich komplexe Geschmacksnoten in unglaublich individueller Harmonie zu einem Gesamtkunstwerk ein, erst einmal gefällt mir das Nadelbaumaroma, es wird von subtiler dunkler Schokolade begleitet. Die kräftigen Grapefruitnoten erhalten in nussiger Karamellkraft ihr entscheidendes Korrektiv. Noten dunklen Brots sind dabei, die Bitterkeit ist entschieden, fällt jedoch unglaublich aromatisch aus, da sie von Wiesenblumennoten getragen wird. Les 2 Frères bieten dem Genießer zwei interpretatorische Lesarten an, man kann es halten wie man möchte: Entweder man bewundert die perfekte Eingebundenheit des kräftigen Alkohols in ein unglaublich verfeinertes und differenziert gebrautes Malzfundament, so dass sämtliche Kriterien eines dunklen Bocks erfüllt sind, oder man sieht die Kräuternoten eines unglaublich deutlichen Hopfenstatements vordergründig, die unglaublich viel Raum zur Beschäftigung ermöglichen. Immer feiner will man hier weiter philosophieren, in stetig steigender Bemühung um Präzision. Ich denke an eines meiner leider zu früh verstorbenenen schriftstellerischen Idole, Roger Willemsen, dessen Schreibwut von diesem Ansatz her erklärbar ist. Selten konnte ich die Kräuteraromen benennen. Hier denke ich an Petersilie und Enzianschnaps. Das Florale dieses Bieres stellt eine Welt für sich dar. Grenzenlose Harmonie im Extremen ist hier erreicht.
Rote Bernsteinfarbe trifft auf viel Schaum, der lange bleibt. Das Bier ist sehr süffig.
Bitterkeit wird hier gefeiert und ist hinreichend beschrieben, der enorm lang anhaltende Nachgeschmack kommt in dieser Form nur ganz selten vor. Sprudelig geht es dabei auch zu.

Fazit: Solche Spitzenreiter erlauben mir wieder einmal erneut, sie endlos zu beschreiben. Das ist einfach mein Maßstab für die Beschäftigung mit Bier. Gerade die Erkenntnis, dass dieses Bier so viel Raum für Interpretation lässt, sorgte geradezu auffordernd dafür, dass ich es zwei weiteren Genussexperten zur Verfügung stellte, deren Meinung mich interessiert, damit ist Bier ein Mittel der Kommunikation. Kann es eigentlich etwas Schöneres geben?

Bewertet am

90% Rezension zum Les 2 Frères Hickson Imperiale IPA

Avatar von Bier-Klaus

Das Bier wurde vom Hobbytester zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür.

Das Double IPA mit seinen 18,6° Plato, 7,6% ABV und 74 IBU wurde mit Calypso, Cascade und Mosaic gehopft.

Dunkelbraun und opalisierend im Glas wird es bedeckt von einer sahnig-dichten und stabilen Blume. In der Nase wunderbare Hopfenaromen von Kräutern (Calypso) über Zitrusfrüchte (Cascade) bis hin zum Mosaic, der einen ganz eigenen Duft hat. Hier kann man die Komponenten unterscheiden, die jede einzelne Hopfensorte einbringt, das gelingt nicht oft.

Der Antrunk beginnt wunderbar weich und wenig rezent, so mag ich das bei IPA's. Der Malzkörper gibt kräftig süße Aromen ab, etwas wie Karamell aber ich denke in der Pfanne angebrannte Banane beschreibt es besser. Die Süße wirkt allerdings nur als Basis für das DIPA, denn von Anfang an wird sie begleitet von einer sehr starken kräuterigen Herbe. Dazu dezente Zitrusaromen, evtl. Orange. Trotz der kräftigen Bitternoten ist der Hopfen gut eingebunden und die starke Bittere tut der weichen Textur keinen Abbruch. Im Nachtrunk wird die zitrale Fruchtaromatik des Cascade stärker aber im Nachhall verbleiben fast nur die Kräuter am Gaumen.

Fazit: ein wunderbar weiches DIPA, das nur deshalb die Höchstnote verpasst, weil mir persönlich die sehr fruchtigen DIPA's lieber sind und nicht so sehr die kräuterigen.

Bewertet am

94% Rezension zum Les 2 Frères Hickson Imperiale IPA

Avatar von Felix

Eingetrübtes Rubinrot mit einer cremigen, sehr diskreten Schaumbildung. Ein absolut runder Anblick, der edles Gemüt zeigt.

Der Duft ist ziemlich komplex; vertraut und zugleich absolut speziell. Auf der einen Seite liegen die präsenten, fruchtigen Hopfennoten (Calypso, Cascade und Mosaic sind verwendet worden), betonte Aromen von Lychee, Pfirsich und Stachelbeere mit etwas Maracuja darin, äußerst herb und trocken. Sie umrahmen die Aromatik des Bieres mit einem hopfigen Schleier. Auf der anderen Seite eine Malzaromatik, die karamellige Noten auf eine betörend, aber zugleich auch verstörend rustikale Weise vermittelt. Kein bisschen pappig-süß, sondern vielmehr mit einer Spur von Röstigkeit, als wäre jenes karamell ganz leicht angebrannt. So entsteht eine gewisse Assoziation zu deftigen Speisen, die mit süßen Saucen garniert sind. Ich fühle mich erinnert an extrem salzige Seitangerichte. Es schlägt sogar ganz eindeutig immer wieder schubweise in Richtung BBQ-Sauce. Nein, das ist nicht nur eine Tendenz, das ist eindeutiges Grill-Aroma, so deftig, dass ich gelegentlich vom Glas zurückschrecke, so sehr beißt es in der Nase. Das ist eine Mischung aus Grillrost und Sojasauce in absoluter Konzentration. Und zugleich Hopfen und Karamell. Wahnsinn, diese Vielseitigkeit.

Im Mund mischt sich das Aroma weiterhin in irritierender und faszinierender Weise zugleich. Das Bier ist am Gaumen äußerst geschmeidig und süß. Rohrzucker, leicht angebrannt, eine wunderschöne Vegetabilität in gemäßigter Art von grüner Paprika und die trockene Saftigkeit (!) des bunten Hopfenbouquets ist weiterhin ornamenthaft präsent; absolut tonangebend und zugleich peripher. Das ist wirklich besonders bei diesem Bier. Der Hopfen ist aromatisch eher abrundend, aber gleichzeitig bestimmt er den Grundtenor des Bieres fundamental.
Weiterhin hat das Imperial IPA eine sehr deftige Grundnote, die sich zwischen Rohrzucker/Karamell und Hopfen verhält. Das starke Grillaroma zieht sich an der Zunge zugunsten der Zuckerröstigkeit zwar etwas zurück, bleibt aber absolut zentral.

Der Körper ist buttrig und weich mit einer nur ganz zarten Karbonisierung, absolut ausreichend, aber in minimalistischer Manier belebend. Die Textur ist von besonderer Güte. Ein klein wenig schaumig, darunter aber konzentriert ölig legt sich das Bier äußerst geschmeidig in den Gaumen. Es hat betörende Züge, die vor allem auch von seiner so dezidierten Trockenheit leben. Vielleicht könnte es ein klein wenig gewaltiger sein, um noch den letzten Rest Faszination aus mir herauszuquetschen. Aber, ich meine, mit Bescheidenheit bin ich eigentlich immer zufriedener, als mit irgendeinem Willen zur Macht. Kein bisschen Alkohol ist zu spüren.

Der Abgang des Bieres ist stringent aus Duft und Antrunk entwickelt. Es verbleiben trockene und süße Töne. Herbes Hopfenöl deckt die Poren ein und darüber ziehen sich warmes Karamell und gebrannter Zucker vom Feinsten. Die leicht bittere Vegetabilität schwingt stets mit und gibt dem Bier einen wirklich ganz eigenen Charakter. Und dann sind da weiterhin die röstigen Grilltöne, salzig, deftig, würzig, einerseits wie hochkonzentrierte Sojasauce, andererseits wie das schon beinahe fleischig-rauchige Bouquet einer BBQ-Platte. Doch im Abgang ist all das in sorgsamer Wohligkeit vereint. Hier springt nichts mehr heraus. Alles ist harmonisiert und selbst die abgefahrensten Noten wirken hier nicht mehr tollkühn, sondern sind zur Ruhe gekommen.
Und plötzlich tauchen ganz hinten noch Himbeeren auf, warme Himbeersauce auf Vanilleeis. Unfassbar. Und das Bier klingt in einem Dessert aus.

Charakter: Das Hickson Imperiale IPA ist äußerst charakterstark und von enormer Vielseitigkeit. Das aber wirklich begeisternde daran ist der gesetzte, ruhige, bescheidene Tenor, den es zu vermitteln weiß. Es wirkt kein bisschen aufgeladen oder übersättigt, ja, es wirkt nicht einmal von sich überzeugt. Es ist geradezu sachlich, direkt, präzise, ohne jedes Pathos. Das schätze ich am meisten. Von hoher Sympathie.

Das Hickson Imperiale IPA ist folglich eine absolute Eigenheit. In der Komplexität dieses Bieres lässt sich ein Drei-Gänge-Menu finden, vom grünen Salat mit Paprika über den Fruchtsaft zum asiatischen Grillgemüse bis hin zum Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Es ist ein Bier, das vermutlich grandios mit jedwedem Essen kombinierbar ist. Die Räumlichkeit, die dieses Bier herstellt aber fasziniert ebenso in besonderer Weise. Die Hopfensorten sind glasklar vorhanden, verhalten sich aber eher peripher, fügen sich wie ein durchsichtiger Schleier den kräftigeren Aromen im Kern des Sudes. Sie umschließen das Bouquet mit einem grünlichen Schimmer und geben eher Saftigkeit und Trockenheit bei, als dezidierte Eigennoten. Sie machen das "Wie" des Bieres, während das Malz eine wilde Komplexität erschafft. Auf der einen Seite die Bewegung süßen Karamells, das sich in gebrannten Rohrzucker verwandelt, immer etwas röstig, immer etwas schwärzlich- wie man es von sehr guten Black IPAs kennt -, auf der anderen Seite aber auch diese so salzig-deftige Grillnote, BBQ-Aroma, das so konzentriert urplötzlich aus dem Bier herausspringt, dass man sich geradezu erschreckt, wenn man noch zwischen Hopfenherbe und Karamellsüße schwelgt. Doch während im Duft diese vielseitigen Noten hin und her wandelt, mengen sie sich im Trinkverlauf immer mehr. Im Mund wird die Differenz zwischen Karamellsüße und Grillwürze schon durch die Rohrzuckernoten relativiert. Nun ist der ölige, weicher, warme Körper eher im Zentrum der Aufmerksamkeit. Und im Abgang sind schließlich alle Noten so harmonisiert und vereint, das es nicht mehr möglich ist, sie voneinander zu trennen. Das Bier hat durchweg süße, herbe, bittere, würzige, fruchtige und vegetabile Töne, aber im letzten Abgang sind sie alle eins. Nur die betörende Himbeernote, die vorher so gar nicht abzusehen war, leuchtet plötzlich auf wie der Leuchtturm aus Sicht des ufersuchenden Schiffes.
Ich könnte mir vorstellen, dass das IPA sogar noch davon profitieren würde, wenn es ein bisschen stärker eingebraut würde. Eher 8 oder 9%ABV würden ihm wahrscheinlich den letzten Kick geben.
Dieses Bier ist wirklich eine kleine Geschichte, es hat eine Narration, in der man sich durchaus verlieren kann, wenn man über ausreichend Fantasie verfügt. Trotzdem ist es kein bisschen überfordernd, ja, es macht sogar eher den Eindruck, ein Nebenbeitrink-Bier sein zu wollen. Das macht es auf der einen Seite noch einmal sympathischer, auf der anderen setzt es sich selbst damit auf eine Alltags-Ebene, die es meiner Ansicht nach mit anderen Gestus locker hinter sich lassen könnte. An dieser Stelle befindet sich der absolute Bewertungs-Knackpunkt: Ist nicht eigentlich die Bescheidenheit der beste Grund für die Höchstpunktzahl? Warum empfinde ich aber trotz dieser Überzeugung gerade wegen der Bescheidenheit, dass hier noch ein winziges bisschen mehr möglich gewesen wäre? Dies ist vielleicht der Grund, weshalb die 100% von mir eigentlich nicht vergeben werden. Zu Recht oder zu Unrecht?

Bewertet am