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Beer like star Indigo Pale Ale

  • Typ Obergärig, IPA
  • Alkohol 5.8% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier ja
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 69% von 100% basierend auf 1 Bewertung und 1 Rezension

#28126

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 1 Bewertung
69% Avatar von Felix

69% Rezension zum Indigo Pale Ale

Avatar von Felix

Schon längst vor der Flaschenöffnung kommen mir nur Fragezeichen auf. Auf dem Etikett keine Brauerei, lediglich der Vertrieb wird angegeben BGM Berliner Getränkemanufaktur GmBH. Im Internet gibt es eine Website, auf der das Indigo Pale Ale beschrieben wird, es geht dort aber auch um Design und ein Indigo-Magazin. Verweise dort auf den Braumeister Michael Schwab von Brewbaker. Offenbar wird das Bier dort gebraut. Ist es nun ein Brewbaker-Bier oder nicht? Auf der Flasche steht tatsächlich INDIAN Pale Ale; das tut weh und zeugt und Unkenntnis. Es sieht alles in allem sehr nach Geldmacherei aus und nicht wirklich handwerklich, außer vielleicht auf Basis der Brewbaker-Qualität, aber die Intention scheint mir ganz simpel der plumpe Verkauf zu sein. Das bestätigt sich außerdem, wenn man den Sud durch die Flasche hindurch ansieht. Total filtriertes Bier.

Die Optik ist ansehnlich. Ein etwas dunkleren Bernsteingold mit geringerer, schön gelblicher Schaumbildung. Sehr schönes Bier.

Der Geruch ist freundlich fruchtig. Eine milde, aber konzentrierte Mango- und Mandarinenaromatik steigt auf, die aber ein bisschen anders ist, als man es gewohnt ist. Es schwingt eine weinige Grundnote mit. Doch das Bier wirkt in der Intensität äußerst zurückhaltend. In dieses Bier kam nicht viel Hopfen, wenn auch guter. Eine schöne, honigliche Malzigkeit schwingt mit.

Im Mund zuerst einmal erstaunlich viel Kribbeln auf der Zunge, konzentrierte Frucht, nicht sehr intensiv, ganz wie im Geruch, dann eine pelzige Bitterkeit, die sich hält. Die Fruchtaromatik vergeht sofort wieder. Das Bier macht einen eher dünnen Eindruck, alles Spannende, was es zu bieten hat, ist schnell wieder weg. Die Bitterkeit ist dominant, aber eher, weil drumherum so wenig passiert. Sie selbst ist ziemlich schön gelungen. Eher schlank fällt sie aus und auch hier ziemliche Konzentration, wodurch das etwas pelzige Mundgefühl hergestellt wird. Als an sich wirklich "bitter" würde ich das Bier trotzdem nicht beschreiben. Man merkt, dass die Bitterkeit eine Art Produkt der Umstände und keine Eigenständigkeit darstellt.

Der Körper ist recht rezent und baut diese Karbonisierung auch prominent aus. Die Textur ist ein bisschen ölig, insgesamt schlank und glatt. Das Bier erreicht dadurch eine hohe Süffigkeit. Die Bauschigkeit der obergärigen Hefe erscheint etwas komprimiert und kommt meinem Geschmack damit entgegen. Der Alkohol ist kein bisschen zu spüren.

Nach hinten hin wird das IPA leicht getreidig. Es verbleibt kaum mehr als eine doch aber nicht eindimensionale Bitterkeit. Trotz Aromamangel kann das Bier noch ein bisschen Dynamik in den Abgang geben.

Charakter: Das Bier ist ein bisschen aufgetakelt und schiebt sich in den Mittelpunkt. Es will offenbar bei den großen mitmischen und glaubt an sich, weil der Lehrer ihm gesagt hat, dass es Potenzial hat.

Ich finde das Indigo IPA ist ein ziemlich bekömmliches Bier. Ich muss gestehen, mich an kein IPA erinnern zu können, dass mir je so gut über die Zunge ging. Das Bier verlangt geradezu danach, eine Flasche nach der anderen zu trinken und ist damit schlichtweg für den Barverkauf produziert. Dass die milde, aber auch hübsche, minimalistische Aromatik von etwas Mandarine und Honigmalz so zurückhaltend ist und sich im Abgang sofort der moderaten Bitterkeit übergibt, verstärkt nur das Bedürfnis des Nachtrinkens. Die Bestandteile, die von diesem Bier zu erkennen sind, die sind wirklich fein gemacht und regen sehr zum Trinken an. So fällt es schwer, dem Bier Fehler zu unterstellen.
Was man aber definitiv unterstellen kann, das ist die Kombination aus Lieblosigkeit für das handgemachte Bier und Banalität, die nicht nötig gewesen wäre. Man merkt sofort, dass dieses Bier viel drauf haben könnte, denn die Aromatik verweist auf hervorragende Zutaten und gute Braukenntnisse; doch hier wurde ganz gezielt abgespeckt! Auf ganz hohem Niveau wurde sich hier bemüht, ein Bier zu brauen, das möglichst unkompliziert gekippt werden kann. Ich empfinde das an dieser Stelle als eine gewisse Beleidung an den Genießer, dem unterstellt wird, er könne die Komposition des Bieres eh nicht nachvollziehen und so wird eben hier und da was weggeschnitten, damit es insgesamt billiger wird und sich besser verkaufen lässt. Erstmal filtrieren, dann noch am Hopfen sparen und schon ist das vormals wahrscheinlich sehr gute Bier immer noch so, dass man nicht meckern kann, dafür aber massentauglich. Das ist eben das Gegenteil von dem, was wir doch über Jahre so eifrig propagiert haben!
Ich muss sagen, obwohl mir das Bier zugesagt hat, macht es mich ein bisschen grantig, wenn ich glaube, so eine Produktionsweise entdeckt zu haben. Denn gerade Bier lebt doch von der Handwerklichkeit und ich möchte mich wehren gegen die grauenhafte Kommerzialisierung und damit auch Banalisierung des Biergenusses, welche wir heutzutage durch den Eintritt der Craft-Brewer in die Barszene erleben müssen. Ich ärgere mich über den Verlust der Ideale und muss darauf verweisen, dass so manche Bierbrauer in den Gutshäusern kleinerer Dörfer und Städte im deutschsprachigen Raum, die nur ein Helles und ein Dunkles brauen mit den Zutaten, die sie eben da haben, und ihr Bier nur bei sich vom Hahn verkaufen, deutlich näher an dem ist, was über Jahre so gebetsmühlenartig als "Craft Beer" gepriesen wurde, als dieses Bier, was ich hier vor mir stehen habe. Und dabei ist dieser Sud nur ein exemplarisches Beispiel für eine ganze Reihe von Bieren, die lediglich auf den Zug aufspringen, um in der Szene Geld zu machen. Es mag ein ganz gut zu trinkendes Bier sein, dessen Qualität die von den großen Massenproduzenten übersteigt, aber in ihm wohnt der Geist jener Massenware. Es war nötig, sich hier mal Luft zu machen. Offenbar war das Indigo der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und nun musste es halt als Boxsack herhalten.
Ein Bier, dass sich hochwertig gibt und dann INDIAN Pale Ale auf das Etikett schreibt, filtriert wird und nicht einmal den Namen der Brauerei auf die Flasche schreibt, das finde ich mehr als unbefriedigend.
Also letztlich: Ganz gute Prozent-Bewertung für ein sehr trinkbares Bier. Doch große Empörung über diese Form der bewussten Vereinfachung eines eigentlich so faszinierend komplexen Gegenstandes.

Bewertet am

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