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Beer like star Herschdorfer Dunkles Lagerbier

  • Typ Untergärig, Dunkles Lager
  • Alkohol 5.3% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Dieses Bier ist hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 83% von 100% basierend auf 1 Bewertung und 1 Rezension

#23078

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 1 Bewertung
83% Avatar von Felix

83% Rezension zum Herschdorfer Dunkles Lagerbier

Avatar von Felix

Dunkles, naturtrübes Lager aus einer winzigen, doch alten Familienbrauerei in Thüringen (angegebenes Gründungsjahr 1869).
Bemerkenswert schöne Etiketten haben die Flaschen.

Der Sud ist sehr trüb und farblich tiefrot bis bräunlich. DIe Schaumkrone verhält sich cremig und feinporig. Ein insgesamt natürlicher, ehrlicher Eindruck.

Der Duft des Bieres ist würzig und malzig mit ziemlich eigenem Charakter. Süße Toffeenoten steigen auf, Aspekte von dunklem Honig lassen sich finden. Trotzdem herrscht in diesem Bier auch viel Würze, die es ganz urig und ehrlich erscheinen lässt. Das Bier hat die Qualitäten und den Charakter eines richtig gut gereiften Kellerbiers. Es wirkt edel und kraftvoll.
Ich will aber dazu sagen, dass bei meiner Flasche bereits eine Verfallserscheinung zutage tritt, die zwar leicht erkennbar, aber keinesfalls als durchweg negativ zu sehen ist. Durchaus finden sich schon erste säuerliche Anklänge, die auf Qualitätsverlust hindeuten, sie bereichern aber auch in gewisser Weise.

Interessante Noten finden sich im Einstieg. Sofort füllt das Bier auch die Nasengänge mit einer würzigen Duftnote, vielleicht kräuterig, vielleicht rauchig. An der Zunge entsteht eine helle Kräuterigkeit (Rosmarin, Thymian, Salz) mit leichter Säure und der scharfen Aromatik von Melisse. Das Bier vereint deftige, ins Rauchige tendierende Noten mit Malzsüße, sodass der Eindruck einer Honigmarinade entsteht. Hier zeigen sich vollkommen ungewöhnliche Noten, die kaum zu beschreiben sind und vor allem eine rasante Bewegung, die von einer Note zur anderen springt, dass man diesen kaum folgen kann. Auch Bitterkeit ist schon im Einstieg deutlich zu spüren, sehr dunkel, aber trotzdem hopfig, vielleicht schon mit einer Idee von Röstmalz.

Der Körper ist angenehm weich, von guter Trinkbarkeit und ohne jede Schwere. Die immer mitschwingende Säuerlichkeit macht dieses Lager trotz seiner Eigenheiten sehr süffig und erfrischend. Dadurch kann es auch etwas kühler genossen werden. Ein gelungener Körper mit tendenziell sanfter Textur, die wohl niemandem wehtun wird.

Der Abgang ist von einer röstigen Bittere geprägt, trotzdem halten sich aber auch hier die so merkwürdig komponierten Noten, die eigentlich sonst nicht zusammenpassen; Eine Rosmarin-Kräutermischung trifft auf dunklen Honig und Karamell. Das Bier verklingt schwer. Pflanzliche Bittere legt nach.

Das dunkle Lagerbier der Schmiedeknecht Familienbrauerei ist ein besonderes Bier mit ganz eigenem Charakter und einer wilden, freien Aromatik, die eben ganz so ist, wie ich es von einem unabhängigen Bier auch erwarte: nämlich eigensinnig.
Das Bier wartet in Geruch und Antrunk mit den verschiedensten Noten auf und verbindet dabei Aromen, die eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen. Ob das nun im Bier doch passt, kann ich kaum sagen; die Schwierigkeit besteht schon darin, eine solch besondere Aromatik erst einmal in sich zu begreifen und zu beschreiben. Prägent ist hier vor allem eine sehr kräftige, würzige Honignote, deren dunkle Süße aber zugleich schon ins toffeeartige abwandert. Dieser satte Honig mit leichtem Gärungsansatz ist von Anfang bis Ende der aromatische Kern und er wird von den verschiedensten Aromen angereichert: Rosmarin und Thymian sind sehr vordergründig, aber auch salzige, rauchige, hefige, staubige und zitrale Aspekte entstehen. Ein kleines Chaos entwickelt sich aus diesen merkwürdigen Kombinationen, das man vielleicht auch als fehlkomponiert bezeichnen könnte. Doch bevor ich hier das Wort "Fehlnote" gebrauchen will, muss dazu gesagt werden, dass nur dadurch diese wunderbar eigenartige Aromatik entsteht, die ich unvergleichlich finde. Gerade durch diese Verrücktheit ist etwas völlig Neues entstanden.
Ein kurzes Wort noch zur Vergänglichkeit: Auch wenn diese Flasche schon erste Aspekte von dem zeigt, was man als Gärungsfehlnote bezeichnen könnte, kommt es auch hier auf die Komposition an. Der Sud profitiert in gewisser Weise von genau dieser Note, und jedes Bier das naturtrüb und handwerklich ist, sollte keine Angst vor dem Verfall haben. Gerade diese Vergänglichkeit ist es, was auch Charme und Authentizität mit sich bringt. Ich bin dankbar für ein Bier, das vorzeitig schlecht werden kann. Dann ist es aus natürlich Erzeugnissen gebraut, mit denen sich keine Berechnungen anstellen lassen.
Dieses Lagerbier macht meiner Ansicht nach alles richtig. Es ist ganz ein Vertreter seines Stils und es ist ungemein eigenartig, ohne dabei auch nur im Mindesten gezwungen oder gehetzt zu wirken. Diese Lager erscheint urig und traditionell, ala habe es sich nie auch nur den kleinsten Gedanken über Degustationen gemacht. Es ist sozusagen ein Gebrauchsgegenstand und will nichts anderes sein. Ob man nun diese wüste Aromatik mag oder nicht, das sei dahingestellt, doch definitiv findet sich hier ein ehrlicher Charakter mit festem Standort und historischem Wert seit 1869.
Dieses Bier ist damit in jedem Falle eine wirkliche Besonderheit und eine Bereicherung. Es ist wunderbar, sich vorzustellen, dass es noch hunderte, wenn nicht tausende Brauereien dieser Art gibt, die irgendwo in kleinen Dörfern und Gasthäusern schlummern und zu entdecken sind. Da liegt ein echter Kulturwert, der mit nichts zu bezahlen wäre.

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