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Beer like star Braustelle Wilde Wutz

  • Typ
  • Alkohol 6.8% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 56% von 100% basierend auf 4 Bewertungen und 1 Rezension

#21297

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Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 4 Bewertungen
92% Avatar von Felix
70% Avatar von Chris
34% Avatar von S-Vicious
30% Avatar von dreizack

92% Rezension zum Braustelle Wilde Wutz

Avatar von Felix

Kaum zu erkennendes dunkelrot bei starker Trübe und cremigem, eierschalefarbenem Schaum. Tolle Optik, die einen unheimlich düsteren Eindruck vermittelt. Ein brackiges Bier wie ein Urwaldfluss.

Im Aroma eine Vielseitigkeit, die vielleicht seines Gleichen sucht. Saftige Südfrüchte wie Ananas und Melone, Sauerkirsche, Rosenwasser, trockener Rauch, Baumrinde, Grasigkeit, Weißer Pfeffer, Roggenbrot, Blumigkeit, Karamellmalz in der Basis... Es wird schwer, das Endlose in eine Reihenfolge zu bringen.
Intensive Noten von fruchtigem Hopfen mit aromatisch dunkler Färbung; Northern Brewer, Spalter Select, Tettnanger, Saphir und Amarillo. Letzterer strahlt eindeutig durch, wird aber stets von einer grasig-frischen Note umschmeichelt, die ich dem Tettnanger zuschreiben würde. Auch der Saphir kommt meiner Ansicht nach durch, veredelt das Aroma mit zarter Blumigkeit, sodass dieses Hopfenbouquet freizügig zwischen Westküste der USA und Hallertau schwankt. Die dunkle Färbung des Aromas, die es in Richtung Kirsche und zugleich Würze holt, scheint mir den besonderen Malzen (Gerste, Weizen, Röstmalz, Torf- bzw. Buchenholzgeräuchertes Malz) und dem Zusatz von Hibiskusblüten geschuldet zu sein.
Wahnsinn wie vielschichtig das Bier dadurch wird. Es ist eine aromatische Kugel aus Licht.

Im Mund eine spannende Kombination aus starker Säure und rauchiger Malzigkeit. Das Bier schmeckt sauer und süß zugleich, von vornherein ist es ein wenig aschig mit trockenen Rauchnoten, über allem liegt aber eine intensive, zitrale Säure, wie zahlreiche Aromaspitzen, die aus der dichten und sehr cremigen Malzbasis hervorkommen.
Das Bier vereint unheimlich ungleiche Spielarten äußerst souverän. Diese starke Säure kann mit dem einen oder anderen Lambic mithalten, die Rauchigkeit verändert diesen Eindruck dann sofort kollossal. Spiel, Satz und Sieg.

Der Körper ist in der Textur unheimlich dicht und cremig, das Weizenmalz ist spürbar eingesetzt. Zugleich ist das Bier durch eine starke Kohlensäure gezeichnet, die das Aroma hervorragend unterstützt und langlebig ist. Bei 6,8%ABV wird eine tolle Leichtfüßigkeit gewahrt. Der Körper ist schlichtweg absolut stimmig und motivierend in jegliche Richtung, er ist regelrecht zwiefältig. Es scheint als weise er sowohl auf die Schwere eines Barley Wine wie auch auf die Süffigkeit eines Sour Ales hin und macht dabei keine Abstriche. Hier werden Charaktere vermischt. Toll!

Der Abgang ist dann säuerlich und bitter mit starker Fruchtigkeit, die lange nachhält. Das Bier hat einen erfrischenden, belebenden und doch auch befriedigenden Abgang. Ich schwanke stets zwischen der Motivation weiter zu trinken und dem Bedürfnis, einen Moment zu ruhen und über dieses Feuerwerk nachzudenken.

Der Wilde Wutz 2013 (der im Übrigen in einem französischen Süßweinfass vier Wochen lang nachreifen durfte) ist ein wirklich geniales Bier, das jenseits jeglicher Stilgrenzen steht und für all diese kindischen Kategorisierungen scheinbar viel zu abgehoben ist im positiven Sinne.
Er ist ein stilistisches Nichts, was ihm alle Freiheiten dieser Welt verleiht, dem Verkoster dagegen wenig mehr als: schmeckt mir bzw. schmeckt mir nicht + einer unendlichen Verkostungsnotiz. Ich finde diese Einstellung total in Ordnung und freue mich heute über ein Bier, das sich nicht zuordnen lässt.
Um es kurz zu machen: Dieses Bier ist eine absolute Abenteuerreise auf allen Ebenen, der ich nichts Konkretes vorwerfen kann. Das Bier ist total innovativ und doch stimmig. Es ist grandios anders und trotzdem einfach nur lecker. Ich habe das Gefühl, eine Flasche genügt zur Verkostung keinesfalls, dieses Bier müsste ich mir immer wieder vornehmen, weil man unendlich viel an ihm entdecken kann.
Ich will keine Vergleiche mit anderen Bieren heranziehen, denn der wilde Wutz lässt sich nicht vergleichen, er ist in keine Schublade zu stecken und er hat damit das Nichts genießbar gemacht.
Über dieses Bier lässt sich wenig anderes schreiben als die Empfehlung: Probiert es unbedingt. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Ale zu ungefähr jedem Essen einen besonderen Platz einnimmt und dass es jedem unter bestimmten Aspekten hervorragend schmecken kann.
Ich bin sehr begeister von solcher Kunst, die höchstes Lob verdient, weil sie die aromatische Unendlichkeit erfahrbar macht. Hier scheint man auf einem Weg zu wandeln, der nie ein Ziel haben wird.

PS: Ich entschuldige mich für die chaotische Rezension. Der Genuss dieses Bieres ist das geordnete Chaos.

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