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Beer like star BBNo 01/11 Saison Quince

  • Typ Saison
  • Alkohol 5.4% vol.
  • Stammwürze
  • Empfohlene Trinktemperatur
  • Biobier
  • Hefetrüb
  • Probier mal sagt kein Benutzer

Bewertet mit 94% von 100% basierend auf 1 Bewertung und 1 Rezension

#24367

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Aktuelle Bierbewertung

Topbier Empfehlenswert Nicht empfohlen
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Bewertungsdetails
Basierend auf 1 Bewertung
94% Avatar von Felix

94% Rezension zum BBNo 01/11 Saison Quince

Avatar von Felix

Brew By Numbers verwenden einen Zahlencode, um ihre Biere zu beschreiben. Die ersten zwei Ziffern stehen für den Stil des Bieres, die zweiten beiden Ziffern für das Rezept, das sie dafür verwendet haben bzw. für den benutzten Hopfen oder die spezielle Zutat. So verhält es sich mit dem vorliegenden Bier derartig: 01 steht für "Saison" als Braustil, 11 steht für "Quitte" als spezielle Zutat.

Sehr trübes, orangenes Bier mit schäumender Krone, erscheint sehr belgisch.

Der Geruch ist betörend schalenfruchtig und wolkig-süß mit einer enormen Herbe, die von der Frucht ausgeht. Herbe, in deren Angesicht man über "Bitterkeit" nur sagen kann: wie oberflächlich. Im Vordergrund stehen eindeutig schalenartige Noten, Orange zeigt sich im Aroma, außerdem zarte Zitronigkeit, und der Hopfen ist deutlich. Da ist auch diese saftige Fruchtigkeit, diese Tiefe, nicht zu beschreiben. Zitrusschalenherbe kommt einem hier mit viel Kraft, aber grandios ausgewogen entgegen. Ob ich diese als Quitte identifiziert hätte? Ich denke nicht. Dahinter entwickelt sich eine schlichte, aber bauschige Zuckersüße.
Der Duft dieses Saisons ist absolut natürlich, ist reichhaltig und farbig. Strahlend gelb und matt orange.

Im Mund ist das Bier betont sauer und überwiegend fruchtig. Es äußerst sich auf absolut eigenartige Weise. Dieses Bier ist lautlos. Man nimmt es in den Mund, es überrascht mit Säure, doch man kann nicht sagen, dass hier ein Aroma auftaucht oder wieder vergeht, denn das würde heißen, es vollzögen sich im Trinkverlauf gewisse Akte. Hier aber wird nichts getätigt. Dieses Bier ist wie ein feiner Wellenschlag am Strand der Ostsee bei Mitternacht. Einer unter Milliarden. Ein Hauch von Fruchtschale, getragen von einer schaumigen Süße, etwas Hefe und Kohlensäure, dann ist alles vorüber. Als gäbe es dieses Bier nur im Augenblick des Trinkens.
Die Fruchtaromatik ist ganz klar von frischer Frucht gewonnen. Es erscheint wie ein Saftzusatz, herb und säuerlich. Doch ansonsten ereignet sich im Antrunk tatsächlich so etwas wie "nichts".

Der Körper ist geradezu schwerelos. Ist dieses Bier zu dünn? Wässrig? Konturlos? Warme Kohlensäure, etwas schal. Im Sog füllt dieses Saison seine Flügel. Sehr leicht.

Der Nachtrunk hinterlässt die Essenz dieses reinen Fruchtsaftes, der im Trinkverlauf mehr und mehr von der Zitralität Abschied nimmt und sich in eine ansonsten für mich undefinierbare andere Frucht verwandelt. Erst ganz zuletzt, wenn der letzte Hauch von Orangenschale und Zitrone verschwunden ist, wenn nur noch so etwas bleibt, das saftig ist und fruchtig-herb, das tatsächlich gelblich-orangene Ölgemälde malt, erst dann verbleibt so ein winziger Edelstein, doch nahezu unsichtbar klein im Sand. Da ist endlich die Quitte, sie ersteht saftig aus ihrer Herbe.

Ich will meine Idee vorwegnehmen: Ich halte dieses Bier für sehr besonders und die Kriterien der Bewertung für kaum angemessen. Es ist in allen qualitativen Bereichen der 10 würdig, aber ihm fehlt das, was meiner Ansicht nach für eine 9 da sein müsste.
Dieses Saison hat es vollbracht, absolut in sich zu ruhen und mich zu diesen ausschweifenden Bildern zu geleiten. Ich könnte aus kognitiver Sicht vieles bemängeln, ich will es aber nicht, das wäre dem Bier gegenüber gar nicht gerecht. Ob man dieses Bier nun negativ kritisieren will oder nicht, das liegt in der Hand eines jeden einzelnen. Ich kann nur dankbar sein für eine solche Bereicherung und werde eine wahrscheinlich kaum aussagekräftige, eine wertlose Bewertung in Zahlen abgeben, deren Gehalt im Angesicht dieses Bieres geradezu peinlich unwürdig erblassen muss.
Dieses Bier ist faszinierend. Es malt, es duftet und klingt und bewegt sich. Und doch hat es geschmacklich kaum aromatische Vielseitigkeit zu bieten, es ist sogar geradezu eindimensional. Dieses Saison ist eines der ganz seltenen Biere, welche die Vielseitigkeit überwinden, welche die einzelnen Aromen überwinden und mit dem "Wie" das "Was" vollkommen ablösen, dass nichts mehr von ihm übrigbleibt. Der Eindruck dieses Bieres ist von unwahrscheinlicher Natürlichkeit und verwandelt sich kontinuierlich, organisch, doch nicht vorhersehbar.
Der Duft erschafft eine lebendige Orangen- und Zitronenschale und eine bauschige Süße, wie sie ein Saison haben sollte. Dafür, dass dieses Exemplar über ziemlich wenig Alkohol verfügt, vertritt es den Stil absolut gekonnt.
Im Antrunk wagt man kaum zu erschrecken. Eigentlich möchte man meinen, das Bier sei ja leider zu dünn, sei irgendwie nicht komplex genug oder zu einseitig durch die überbordende Fruchtsäure. Doch die Authentizität dieser Noten lässt sich kaum leugnen. Hier erscheint eine herbe Saftigkeit, welche den Eindruck der Schaligkeit des Duftes übersteigt. Das Bier setzt alles auf diese eine Karte, komprimiert sich, verdünnt sich. Dadurch aber wächst es. Ob es gewinnt oder ob es sich übernimmt? Es wechselt die Dimension und entkommt den Kategorien der Besser-Schlechter-Bewertung.
Und nun verebbt das Bier an der Zunge, nicht nur am Gaumen, sondern im gesamten Mund- und Rachenraum. Es ist absolut still, es spricht nicht, es verweist nicht auf etwas, es regt sich gar nicht. Es ist wie diese eine kleine Welle am Meer, die vielleicht nicht einmal jemand wahrgenommen hat. Erkennbar wird, wie kraftvoll Stille ist.
Ich habe noch nie ein leiseres Bier getrunken.

Bewertet am

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